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Vollständige Schulchronik

Vorbemerkung

Die Geschichte einer Schule ist nicht schreibbar ohne die Geschichte der Stadt, aus der sie erwächst, die Geschichte der Stadt ist nicht verstehbar ohne die Geschichte des Territoriums, auf dem sie besteht, die Geschichte dieses Territoriums ist nicht vorstellbar ohne die des Staates, zu dem es gehört. Daher muss eine Beschäftigung mit der Entwicklung des heutigen Werdauer Gymnasiums zwangsläufig eingebettet sein in regionale und nationale, ja z.T. auch internationale Entwicklungen der letzten 125 Jahre. Dabei kann es nicht darum gehen, eine wissenschaftlich fundierte Arbeit vorzulegen, da sowohl Quellenlage als auch die zur Verfügung stehende Zeit dies nicht zulassen. Andererseits soll es auch nicht Anliegen dieser Darstellung sein, eine rein heimatgeschichtliche Würdigung der höheren Schulbildung der Stadt Werdau zu liefern.
Das Ergebnis verschiedenster Recherchen kann nur der Versuch eines groben Umrisses einer allgemein verständlichen Schulgeschichte sein, der zwangsläufig lücken- und fehlerhaft bleiben muss. Dies vor allem, da einerseits in den Jahren der DDR Regionalgeschichte lange Zeit vernachlässigt wurde und die Aktenbestände teilweise noch nicht zugänglich sind, andererseits aber jede Form derartiger historischer Arbeiten in allen zurückliegenden Gesellschaftssystemen mehr oder weniger instrumentalisiert wurde und so eine annähernd objektive und kritische Darstellung kaum möglich war.
Die jetzt vorgelegte Schulchronik stellt also einen ersten Gesamtüberblick von der ehemaligen Werdauer Realschule zum heutigen Gymnasium dar und richtet sich an die breite Zahl derjenigen, die sich der Schule verbunden fühlen bzw. Interesse an der Geschichte Werdaus haben. Wenn von einem Gesamtüberblick die Rede ist, so heißt das auch, dass auf einzelne Ereignisse der 125-jährigen Schulgeschichte, besonders da, wo diese an anderer Stelle bereits ausführlich dokumentiert sind, wie z.B. die Ereignisse um den Werdauer Schülerprozess von 1951, nicht näher eingegangen wird. Im Interesse allgemeiner Verständlichkeit und Überschaubarkeit wurde auf konkrete Quellenangaben ebenso verzichtet wie auf ausführlicheres statistisches Material. Interessierte Leser können sich darüber in den relativ begrenzten und zugänglichen Aktenbeständen des Stadtarchivs oder auch im Kreisarchiv sowie im Heimatmuseum informieren. Allen Mitarbeitern dieser Einrichtungen sei hier für ihre Hilfe bei der Materialbeschaffung ausdrücklich gedankt. Ganz besonders trifft dies auf Frau Bauer vom Stadtarchiv zu. Darüber hinaus gebührt Herrn Wohlrabe aus Leubnitz für wertvolle Hinweise zur Schulgeschichte in den 40er Jahren und dem Schüler des Gymnasiums Matthias Anders für seine Mitarbeit an der Recherche im Rahmen eines Leistungskurses Geschichte Dank.

Werdau, im Frühjahr 2000
Werner Seifert

 

Jubiläumskarte zum 25jährigen Be-
stehen der Realschule Werdau (1900
)

Werdau i. S. - Schloßplatz mit Realschule

"Mit Gott für Kaiser und Vaterland!"- Die Realschule im Kaiserreich (1875-1918)

Im preußischen Abiturreglement von 1788 findet sich die Festlegung, es stehe "jedem Vater und Vormund frey ..... auch einen unreifen und unwissenden Jüngling zur Universität zu schicken". Hier zeigen sich noch sehr plastisch die Vorrechte der alten Ständegesellschaft, einer Gesellschaft, die im 19. Jahrhundert immer mehr in Frage gestellt wurde. In Frage gestellt vor allem durch die rasanter werdenden wirtschaftlichen Veränderungen. Hatte es in Sachsen um 1800 ganze drei Fabriken im heutigen Sinne gegeben, so waren Industrialisierung und Urbanisierung um 1900 so weit fortgeschritten, dass Fabrikarbeit der Normalfall war und in Sachsen als erstem deutschen Teilstaat bereits über die Hälfte der Bevölkerung in der Stadt lebte. Eben für diese Entwicklung ist auch die Stadt Werdau ein typisches Beispiel. Verzeichnete man 1819 lediglich 2680 Einwohner, so waren dies 1900 bereits 19352. Dies ist auf die Gewerbeansiedlung, vor allem auf die in der forcierten Industrialisierungsphase nach 1871, der Reichsgründung, auch hier entstandenen neuen Fabriken mit ihrem Arbeitskräftebedarf zurückzuführen..
Entsprechend dieser neuen Bedingungen veränderten sich auch die Anforderungen an das Schulwesen. Neben die bereits zur Selbstverständlichkeit gewordenen Volksschulen trat in verstärktem Maße gerade in Werdau der Wunsch nach höherer Schulbildung. Für mehr oder weniger Bessergestellte bestand bislang nur die Möglichkeit, das traditionelle Gymnasium in Zwickau zu besuchen. 1860 entwickelte sich aus der höheren Abteilung der Bürgerschule zunächst die Selektenschule, die ab 1862 als 1. Abteilung der Bürgerschule geführt wurde. Spätestens ab 1865 gab es dann Vorstellungen über die Weiterentwicklung zur Realschule, einer im 19. Jahrhundert aufgekommenen neuen Schulform. Während das Gymnasium im Wesentlichen seit 1810, ausgehend von Preußen, immer stärker vereinheitlicht und als Hort klassischer humanistischer Bildung 1846 nochmals mit dem sächsischen Abiturreglement seine Exklusivität als Voraussetzung für den Zugang zum Studium bestätigt bekommen hatte, gab es parallel dazu stetige Bemühungen um eine zeitgemäßere Bildung.
Vor allem das Wirtschaftsbürgertum setzte auf ein größeres Gewicht der sogenannten Realien, der Sachfächer, d.h. vor allem der späteren Naturwissenschaften, und moderner Sprachen. Eine reelle Chance konnte diese neue Schulform aber nur erhalten, wenn sie erstens allgemein anerkannt, d.h. auch vereinheitlicht, wurde und zweitens dem Absolventen bildungspolitische und berufliche Vorteile bringen konnte. Ersteres konnte schrittweise durch gesetzliche Regelungen seit den 30er Jahren über unterschiedliche Prüfungsordnungen angestrebt und nach 1871 im Rahmen des neu entstandenen Kaiserreichs durch die im sogenannten Kulturkampf von Bismarck der Kirche gegenüber durchgesetzte staatliche Schulaufsicht, die es in Preußen formal bereits seit 1794 gab, verwirklicht werden. Problematischer war die zweite Seite, der Zugang zu weiterführender Bildung, damals sprach man diesbezüglich vom Berechtigungswesen. Hierüber entbrannte ein regelrechter "Schulkampf". Denn moderne Bildung gewährte jetzt Privilegien, die zuvor allein durch Abstammung und / oder Besitz verliehen wurden. Folglich erwuchs aus der schulorganisatorischen Frage - Realschule oder Gymnasium - eine prinzipiell politische. Im Zuge der 1848er Revolution sah man aus konservativer Sicht in den Absolventen der Realschule den potentiellen Nachwuchs der "Umsturz- und Fortschrittspartei". Seit 1832 berechtigte z.B. in Preußen der Realschulabschluss bereits zum Eintritt in den Einjährigen Freiwilligendienst beim Militär sowie zur Übernahme in den Post-, Forst- und Verwaltungsdienst. Trotzdem konnte sich die Realschule zunächst nicht durchsetzen. Erst die Reichseinigung mit dem damit verbundenen Wirtschaftsaufschwung, u.a. durch die Frankreich abgepressten Reparationen, machte Reformen auch im Bildungswesen dringend erforderlich.
Die Werdauer Bemühungen lagen also ganz im Trend der Zeit, wenn man 1869 begann die drei oberen Klassen (oder die 1. Abteilung) der Bürgerschule nach den Realschullehrplänen zu unterrichten. Dass der Bedarf nach besserer Bildung vorhanden war, zeigt die Tatsache, dass bereits zwei Jahre nach der Bildung der Selektenschule 117 Schüler dort unterrichtet wurden, worunter sich auch 37 Mädchen befanden. Allerdings war die neue Schulform Realschule wohl noch nicht so populär, da der Versuch ihrer Etablierung 1869 noch an der Zahl der Anmeldungen von 30 Schülern scheiterte. Das Hauptverdienst für die letztlich erfolgreiche Herausbildung der Realschule kommt dem damaligen Direktor der Bürgerschule Flach zu, der unermüdlich bestrebt war über den Rat der Stadt Anhänger für diese Idee in Werdau zu gewinnen. Ein Ratsbeschluss vom 1. Dezember 1874 machte schließlich den Weg für die Gründung der Realschule frei. Diese konnte 1875 direkt aus der 1. Abteilung der Bürgerschule erwachsen, nachdem nach einer Inspektion das Sächsische Kultusministerium diesen Schritt genehmigte. Dabei entstand zunächst eine Realschule II. Ordnung, die auf 5 Klassenstufen ausgelegt war, im Gegensatz zu den 8 Klassenstufen umfassenden Realschulen I. Ordnung, aus denen später die Realgymnasien wurden. Die Leitung der neuen Schule lag noch in den Händen vom Leiter der Bürgerschule, ehe sie mit dem Ausbau der 5. Klassenstufe 1877 mit Julius Schäfer einen eigenen Schulleiter erhielt.
Räumlich wurde die Schule im 2. Stock des 1866/67 auf dem Gelände der alten Schlosswiese errichteten neuen Gebäudes der Bürgerschule untergebracht. 1878 konnte die erste Abschlussprüfung stattfinden, welche aber nur den Titel trug: "Prüfung zur Erlangung des Zeugnisses für den einjährigen-freiwilligen Dienst". Das jedoch konnte auch in Sachsen der Einstieg in den gesellschaftlichen Aufstieg sein. Wer es sich leisten konnte, Verpflegung, Kleidung und persönliche Ausrüstung selbst zu bezahlen, hatte als Alternative zum sonst verbindlichen dreijährigen Wehrdienst die Möglichkeit des einjährigen Freiwilligendienstes. Unter bestimmten Voraussetzungen (entsprechende militärische Beurteilung, Ableistung weiterer kurzer Wehrübungen) konnte dann die Ernennung zum Reserveoffizier erfolgen. Gerade das spielte aber im militarisierten Kaiserreich eine entscheidende Rolle, denn "der Mensch fängt erst beim Leutnant an", wie es sarkastisch zeitgenössisch hieß und in der allgemein bekannten Episode des Hauptmanns von Köpenick seinen trefflichen Ausdruck findet.
In solch übergeordnetem Zusammenhang muss auch die Entwicklung der Realschule gesehen werden. Einerseits trafen sich hier fortschrittlich-liberale Kreise des Bürgertums um den 1876 ins Leben gerufenen Realschulmännerverein und den "Verein deutscher Ingenieure", andererseits forderten auch neue imperialistische Zielstellungen des Staates diesen Zweig der Bildung. Die Gegner des Realschulgedankens, Altphilologen und Standesorganisationen, Professoren der Universitäten sowie im politischen Spektrum Konservative und Zentrumspartei, wurden so allmählich zurückgedrängt. Der schulorganisatorische Knackpunkt der Auseinandersetzung war das Latein, zusammen mit anderen alten Sprache, insbesondere dem Griechischen, das Aushängeschild humanistischer Bildung.
Wenn man sich in Werdau entschloss ab Klasse 4 (der Einstieg erfolgte mit Klasse 5, entlassen wurde aus Klasse 1) Latein anzubieten, so war das weniger eine Frage des Bedürfnisses der Werdauer Bürger als eine Entscheidung, die geeignet schien, das Ansehen der Anstalt zu heben. Das zeigte sich auch daran, dass auf Grund mangelnder Beteiligung der Lateinunterricht 1883 wieder eingestellt werden musste. Nach einem Realschulgesetz von 1884 ging auch in Sachsen die Förderung dieses Schultyps voran. Wurden ursprünglich nur Gymnasien staatlich mitfinanziert, so hatte das Kultusministerium die jährlichen Zuschüsse für die Werdauer Schule von 6000 Reichsmark 1876 im Jahre 1877 bereits verdoppelt und erhöhte diese auch weiterhin. Im April 1884 konnte eine 6. Klasse (entspricht der heutigen Klasse 5) der Realschule als Unterbau angefügt werden.
Da sich aus den Realschulen 1. Ordnung die Realgymnasien entwickelten, entfiel jetzt die Bezeichnung Realschule 2. Ordnung, so dass in der Folgezeit vereinfachend von der Werdauer Realschule gesprochen werden kann. 1888 verwüstete ein Brand Dachstuhl und oberes Stockwerk des Schulgebäudes, was aber außer kurzzeitigen "Winterferien" für die Schüler vom 6. bis 14. Februar keine nachhaltigeren Konsequenzen hatte.
Langfristig bedeutsamer wurde die Reichsschulkonferenz von 1890. Dazu muß man anmerken, dass die Kultusminister der Länder dem jeweiligen Landesherrn direkt unterstellt waren - nicht dem Parlament! Bildungspolitik konnte also durch die entsprechenden Monarchen unmittelbar gesteuert werden. So nahm auch Seine Majestät Wilhelm II. höchstpersönlich an dieser Zusammenkunft teil. Das Resultat war eine angestrebte Orientierung der Schule gegen die Ausbreitung sozialistischer und kommunistischer Ideen sowie eine eindeutige Orientierung auf "nationale Erziehungsziele". In den Mittelpunkt rückte der Gedanke, nicht junge Griechen oder Römer, sondern junge Deutsche zu erziehen, wie es Seine Majestät sah. Das wiederum kam dem Realschulprinzip entgegen. Naturwissenschaften und moderne Sprachen wurden jetzt auch machtpolitisch interessant, und sei es lediglich, um ein Maschinengewehr bedienen und die Kommandos im französischen Schützengraben verstehen zu können. Ins Zentrum der Bildung rückten daneben Deutsch und Geschichte, speziell mittelhochdeutsche Dichtung, nordische und germanische Sagen, schließlich sollte der Absolvent einer deutschen Schule in Nibelungentreue zu seinem Kaiser stehen. In Geschichte gewann der deutsche Schulmeister die Schlachten der Kriege von 1864 bis 1870 erneut und künftige schon im Voraus. Der Turnunterricht wurde mit drei Wochenstunden verbindlich. Für den künftigen Sturmangriff brauchte man schnelle und gelenkige Soldaten.
Dementsprechend bekam die Werdauer Realschule nach mehrfachen Revisionen des Turnunterrichts durch den Direktor der Turnlehrerbildungsanstalt in Dresden die umgebaute Turnhalle der Bürgerschule in der Körnerstraße zugewiesen. Systematisch ging der innere Ausbau der Schule vonstatten. Das Physikzimmer wurde 1899 grundlegend modernisiert. Eine Hilfsbücherei für bedürftige Schüler war seit 1888 erheblich angewachsen. Verschiedene Stiftungen, wie die von Direktor Mating - Sammler und Oberlehrer Dr. Jacobi 1889 eingerichtete Realschulstiftung oder die von den Söhnen des verstorbenen Fabrikbesitzers Ferdinand Gottlieb Schön begründete Schön - Stiftung bzw. die Alfred - Göldner - Stiftung, welche es den Schülern der beiden Oberklassen gestattete, "vaterländische Gaue" zu durchwandern, gaben der Schule begrenzten materiellen Spielraum. Typisch dafür ist auch die Jubiläums - Stiftung von 5000 Mark aus dem Jahre 1900, deren Zinsen Realschülern, die Techniker werden wollten, zugute kamen. Das Gebäude in der Wilhelmstraße, der heutigen Gerhard-Weck-Straße, stand ab 1889 im wesentlichen der Realschule allein zur Verfügung. So hatte sich diese mit durchschnittlich 170 bis 180 Schülern bis zu ihrem 25-jährigen Bestehen 1900 fest in der Stadt Werdau etabliert. Anlässlich der Feierlichkeiten eingegangene Spenden ermöglichten u.a. die Anschaffung eines Flügels.

Stadtansicht um die Jahrhundertwende

Schloßplatz mit Realschule etwa 1910

Von Beginn an stand die Realschule einerseits unter dem Aspekt, eine begrenzte soziale Öffnung zu höherer Bildung anzustreben, andererseits aber auch vor der Aufgabe, als staatliche Institution zu kaisertreuer Gesinnung zu erziehen. Dass der erste Gesichtspunkt in Werdau eine besondere Rolle spielte, ist an dem von Beginn an eingeplanten Schulgeldererlass bzw. der Schulgeldermäßigung für sozial Benachteiligte zu erkennen. Bereits in der Gründungsphase der Anstalt hatte der Hauptinitiator Flach darauf hingewiesen, dass entsprechende Vergünstigungen zu berücksichtigen seien. Häufige Eingaben von Eltern an die beim Rat der Stadt geschaffene Realschulkommission um Erlass des Schulgeldes ( anfänglich 20 Taler, d.h. 60 Mark, im Jahr) belegen, dass der Bedarf dennoch größer war als die bereitgestellten Mittel.
Für die Einhaltung der im Kaiserreich erwünschten Erziehungsziele und Bildungsinhalte waren neben den staatlichen Vorgaben auch die Lehrer ein ausschlaggebender Faktor. Lehrer an höheren Bildungseinrichtungen waren seit deren Herausbildung erfolgreich in das herrschende System integriert worden. Vorbei waren für sie die Zeiten, da das Dorfschulmeisterlein ein Zicklein vor der Schule, in deren Dachkammer es kampierte, stehen hatte, um zu etwas frischer Milch zu gelangen. Vorbei die Zeiten, da der Lehrer täglich die Kirchenglocken läutete und sonntags während des Gottesdienstes Orgel spielte, um zu etwas Geld zu kommen, und sich ansonsten von den Eltern seiner Schüler in Naturalien bezahlen ließ. Der fest angestellte Realschullehrer, der, so er eine akademische Ausbildung besaß, seit 1892 den Titel Oberlehrer trug, hatte 1908 ein Anfangsgehalt von 3600 Reichsmark jährlich, was je nach Dienstalter auf 7200 Mark steigerbar war. Dazu konnten dann noch Zulagen, wie zum Beispiel Wohnungsgeldzuschüsse (in Werdau 1908 bis maximal 500 Mark im Jahr, was aber wohl eher die Ausnahme darstellte) kommen. Der Realschullehrer ohne akademische Bildung erhielt in dieser Zeit 2100 bis 2600 Mark Jahresgehalt. Vergleichend sei hier darauf hingewiesen, daß ein Arbeiter in der Textilindustrie im Werdau - Crimmitschauer Raum zeitgleich wenig über 1000 Mark verdiente. Wen wundert es, dass Oberlehrer nicht unbedingt in die Kategorie deutscher Revolutionäre einzuordnen sind.
Der weitere Ausbau der Werdauer Schule vollzog sich kontinuierlich. Wenn man die 1905 verliehene eigene Fahne eher als unterhaltsame, dem Zeitgeist geschuldete Randerscheinung bezeichnen kann, so waren doch andere Veränderungen wichtiger. 1907 erfolgte die Einrichtung eines eigenen botanischen Gartens auf dem Gelände des ehemaligen (alten) Krankenhauses. Für die Gesamtentwicklung wesentlicher war jedoch vor allem die 1913 eröffnete lateinische Sexta (die Eingangsklasse), welche einen Schritt zum weiteren Ausbau der Schule darstellte, indem so der spätere Übergang zum Realgymnasium ermöglicht wurde. Die Schule konnte sich jetzt offiziell "Realschule mit Progymnasium" nennen.
Den Charakter einer sich entwickelnden höheren Bildungsanstalt unterstrichen auch ausgedehnter werdende Schülerreisen, unter anderem an die Donau, zum Harz oder nach Prag. Gefördert wurden derartige Unternehmungen vor allem durch die bereits erwähnte Göldner- Stiftung.
Dass der Sedanstag (Ort der Kapitulation der französischen Truppen 1870 gegenüber den deutschen) in Werdau jährlich ebenso feierlich begangen wurde wie der Kaisergeburtstag, versteht sich fast von selbst. 1914 wurde so auch der Kriegsbeginn gefeiert. Obwohl der Unterricht stark litt, von Beginn an drei Lehrer einberufen wurden und das Ministerium im Zuge der körperlichen Ertüchtigung Übungsmärsche (im Sommer zwei, im Winter einen pro Woche) anordnete, wurden all diese Einschränkungen durch nationales Pathos übertüncht. Mit Gott für Kaiser und Vaterland zogen auch die Werdauer Realschüler ins große Menschenschlachten. Dabei brachte gerade das Jahr 1914 mit der Aufnahme der ersten Mädchen in die Realschule eine weitere Neuerung. Damit war ein wichtiger Schritt zur endgültigen Etablierung der realistischen Bildung in Werdau vollzogen. Die neue industrialisierte Welt formte sich ein ihr gemäßes Schulwesen, Werdau formte mit.

Neue Zeit und alter Geist - Die Oberrealschule in der Weimarer Republik (1919 - 1932 )

"So manchen traf das blut'ge Lenzgewitter,
Das seinem rüst'gen Streben Halt gebot,
Da Ansehn und Beruf ihm ward zum Flitter,
Der rauhe Krieg ihm zurief: Volk in Not !
Da er voll Kampfesmut, ein rechter Ritter,
In Blut und Wunden bis zum Heldentod
Das Heiligste und Beste hingegeben
Dem Vaterland: sein zukunftsreiches Leben. "
Unter der Überschrift "Zum Geleit" beginnt mit diesen von einem Lehrer verfassten Zeilen ein zweiseitiges Gedicht, das die Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Realschule 1925 einleitet. Darin werden auf 13 Seiten die im Ersten Weltkrieg gefallenen ehemaligen Schüler aufgelistet. Demgegenüber umfasst die Darstellung der Gesamtentwicklung der Lehranstalt durch Oberstudiendirektor Prof. Dr. Wilhelm Eilers lediglich 9 Seiten. Neben einer Skizze des Schulgebäudes besteht die einzige Illustration der Festschrift in der Abbildung der 1921 geweihten Gedenktafel der Gefallenen des Weltkrieges. Etwa 100 junge Männer aus unserer Gegend, verblutet auf den Schlachtfeldern für deutschen Profit und Größenwahn, werden zu Helden stilisiert.
Allein daraus lässt sich wohl der Geist ableiten, der die Schule wie die Gesellschaft in den 20er Jahren beseelte. Dabei kam der Realschule inzwischen eine immer größere Bedeutung zu, war sie doch gerade im 50. Jahr ihres Bestehens Oberrealschule geworden. Damit besaß Werdau einen Schultyp, der im 19. Jahrhundert allmählich entstanden, seit 1882 von Preußen ausgehend unter diesem Namen geführt und 1908 endlich auch in Sachsen offiziell anerkannt worden war. Stimuliert wurde diese Entwicklung dadurch, dass die Reichsschulkonferenz von 1900 (umgesetzt im Kieler Erlass 1901) die Abschlüsse der Oberrealschule denen des Gymnasiums und des Realgymnasiums gleichgestellt hatte. Der Hintergrund von all dem war, dass Seine Majestät die Kadettenanstalten seit 1877 nach dem Realgymnasiallehrplan unterrichten ließ und deren Absolventen die Studienberechtigung zuerkannt hatte. Was also zunächst ausschließlich den Offiziersnachwuchs fördern sollte, wurde somit für breitere bürgerliche Kreise zur Eintrittskarte in höhere Laufbahnen. Lediglich für einzelne Studienfächer waren noch Ergänzungsprüfungen zwischengeschaltet.
Damit war, ganz im Sinne industrieller Kreise, auch für Werdau eine Oberrealschule umso attraktiver geworden. Seit Ende des Ersten Weltkrieges gab es entsprechende Überlegungen, da die Realschule einerseits letztlich nur auf ein mittleres Berechtigungsniveau ohne weitere Aufstiegschancen orientierte, andererseits der Andrang auf dieselbe immer größer wurde. Die Realschulkommission, unterstützt vom Werdauer Industrieverein, wurde dementsprechend 1920 erstmals im Ministerium in Dresden vorstellig. Auch der ehemalige Realschullehrer und zwischenzeitliche Landtagsabgeordnete Prof. Dr. Franz Herrmann setzte sich für die Werdauer Bildungsbelange in der Landeshauptstadt ein. So gelang es, 1923 eine provisorische Obersekunda als höchste Realschulklasse einzurichten, die den fließenden Übergang zum weiterführenden Reformgymnasium ermöglichte. Der Werdauer Abschluss stellte damit aber letztlich lediglich einen Torso dar und konnte auf Dauer nicht befriedigen. 1925 kam dann die Genehmigung des Ministeriums zum Ausbau der 7-klassigen Real- zur 9-klassigen Oberrealschule. Damit verbunden war eine weitere materiell-technische Ausgestaltung der Schule. Der verstärkte mathematisch-naturwissenschaftliche Unterricht wurde durch einen Chemie- und zwei Physikräume im oberen Stock ermöglicht.
Für die Entwicklung neuer Schulformen schien die Weimarer Republik bestens geeignet, hieß es doch im Artikel 146 der Reichsverfassung: "Für die Aufnahme eines Kindes in eine bestimmte Schule sind seine Anlage und Neigung, nicht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung..... seiner Eltern maßgebend" . Dementsprechend hatte das Reich Kompetenzen in der Schulpolitik an sich gezogen, hatte mit Arbeitsunterricht und Staatsbürgerkunde neue Inhalte und Ziele vorgegeben, scheiterte aber letztendlich immer wieder an parteipolitischer Zerstrittenheit und mangelnden Finanzmitteln. Der neu etablierte Reichsschulausschuss, ab 1923 Ausschuss für das Unterrichtswesen (entspricht etwa der heutigen Kultusministerkonferenz der Länder ), blieb so im Wesentlichen Makulatur, die Schulpolitik Ländersache. Die deutschen Länder wurden nicht durch bildungspolitischen Konsens, sondern durchs preußische Militär vereinheitlicht. Gerade Sachsen bot mit sozialistischen Landtagsmehrheiten bis 1923 Möglichkeiten für Reformen. Diese griffen aber auf Grund konservativer Interessengruppen und der kaiserlichen Beamten im Ministerialbereich im höheren Schulwesen, das nach wie vor von Elitedenken geprägt war, nicht und wurden durch die gegen eine vorgebliche kommunistische Gefahr unternommene Reichsexekution (Einmarsch der Reichswehr in Sachsen 1923 und Sturz der gewählten SPD/KPD - Regierung) endgültig beendet. Durchgesetzte Veränderungen, wie z.B. das Verbot körperlicher Züchtigung oder die generelle staatliche Lehrerbesoldung, waren überfällig und bedeuteten keinesfalls prinzipielle Reformen. Immerhin wurde 1922 an der Werdauer Realschule als Krönung des Fortschritts der Karzer (die Arreststube für aufsässige und undisziplinierte Schüler) abgeschafft.
Wenn man bedenkt, dass der Sächsische Philologenverband im Zuge der Reformdiskussion der frühen 20er Jahre ernsthaft vorschlug, in den Lehrplan für Staatsbürgerkunde hineinzuschreiben, der Krieg sei "als letztes und sittliches Mittel, die Ehre und das Ansehen des Staates zu wahren" akzeptierbar, erkennt man den damals herrschenden Zeitgeist. Entsprechend kamen als Reformen nur dehnbare Kompromisse zustande. Trotz allem verkörperte die Oberrealschule, von denen es in Sachsen 1930 19 gab (neben 18 Gymnasien und 23 Realgymnasien), die neueste Variante moderner Bildung. Seit ab 1922 alle Reifeprüfungen auch deutschlandweit anerkannt waren, bot sie auch überregionale Chancen. Latein war als Pflichtfach verschwunden, dafür begannen nun ab 1926 alle Schüler mit Englisch als erster Fremdsprache, was auch das Französische zurückdrängte. In Werdau hatte man bereits 1921 mit ministerieller Genehmigung Englisch ab Klasse 6 (der Eingangsstufe) versuchsweise begonnen. Ab 1923 fand Englisch durchgängig statt.
Für die Gesamtentwicklung der Werdauer Schule erwies es sich als günstig, dass in den Nachbarstädten Zwickau, Crimmitschau und Reichenbach keine Oberrealschulen existierten, dieser Zweig moderner naturwissenschaftlicher Bildung also speziell in Werdau beheimatet war. So konnte die Schule in der Weimarer Zeit durchgängig etwa 450 bis 500 Schüler unterrichten, von denen rund 25% aus den umliegenden Dörfern kamen.
Als prekär erwies sich während der gesamten 20er Jahre die materielle Situation im Bildungswesen. Insbesondere auf dem Höhepunkt der Krisen von 1923 (Inflation) und 1931/32 (Weltwirtschaftskrise) belasteten Sparverordnungen auch die Werdauer Schule. So wurden 1923 auf Grund ministerieller Verordnung die drei Oberklassen der Realschule nur noch als Mittelklassen geführt und erhielten damit den Klassenteiler 35 (statt bisher 25), dass heißt, es konnten 34 Schüler in einer Klasse sitzen. Die Lehrer mußten ihr Pflichtstundenpensum (24 Wochenstunden) voll ausschöpfen und bezahlte außerunterrichtliche und schulorganisatorische Tätigkeit wurde nur noch in Höhe von 1% der Gesamtstundenzahl der Schule gewährt. Nicht fest angestellten Lehrern bzw. Teilzeitkräften wurde in der Regel gekündigt, was auch in Werdau einen Studienassessor (Anwärter auf die Beamtenlaufbahn, nach erfolgreichem 2. Staatsexamen), der nur mit Ausnahmegenehmigung noch bis zur Reifeprüfung 1924 bleiben konnte, sowie drei weitere Lehrer betraf. Nebensächlich, aber typisch, dass im Zuge der Sparmaßnahmen selbst Weisungen erteilt wurden, wie die Öfen richtig zu bedienen seien, um die Heizkosten zu reduzieren. Hinzu kam, daß die Inflation, die der Schule zur Verfügung stehenden Spendenfonds (vgl. Abschnitt Kaiserreich) aufgezehrt hatte.
Als problematisch erwies sich auch die Frage des Schulgeldes (Mitte der zwanziger Jahre 120 RM für Werdauer und 180 RM für Auswärtige). Immer wieder lagen der Oberrealschulkommission beim Rat der Stadt Anträge auf Schulgeldermäßigung oder Schulgelderlass vor. Diese bemühte sich um eine begrenzte soziale Abpolsterung und gewährte Schulgelderlass in Höhe von 25% der Schulgeldeinnahmen und Lehrmittelfreiheit für 15% der Schüler. In den Genuss von Ermäßigungen kamen so, gestaffelt nach sozialer Bedürftigkeit, 1928 z.B. 160 Schüler. Trotzdem baten ständig weitere Bürger um Stundung ihrer Schulgeldverbindlichkeiten. Häufig konnte hier durch vereinbarte Ratenzahlungen der akuten Not Abhilfe geschaffen werden. Schwierig zeigte sich auch die Zusammenarbeit mit den umliegenden Dörfern, die vom Rat der Stadt wiederholt um Beiträge zur Unterhaltung der Oberrealschule ersucht wurden. Als die Stadt dies schließlich versuchte über das Ministerium in Dresden einzuklagen, wurde das mit der Begründung zurückgewiesen, dass dafür die ohnehin gezahlten Staatsbeihilfen gedacht seien. Auch ein Vorschlag des Gemeinderates von Trünzig, die Eltern mit zu derartigen Kosten heranzuziehen, erwies sich als nicht durchsetzungsfähig. So wurde schließlich 1924 Schüler aus dem "Ausland", sprich aus Fraureuth und Teichwolframsdorf - Thüringen!, zurückgewiesen, da aus Kostengründen nur zwei neue Klassen eröffnet werden konnten. Bezeichnend ist, dass der Stadtrat hierbei am 7.2.1924 dafür plädierte, in erster Linie Knaben aufzunehmen "und die Mädchen solange zurückzuweisen als genügend gut befähigte Knaben vorhanden sind". Auch wenn das vom Schulleiter offiziell nicht so gesehen wurde, zeigt es doch, dass der Werdauer Stadtrat nicht unbedingt von frauenemanzipatorischem Geist durchdrungen war.
Aber besorgt um das körperliche wie seelische Wohl der in die Anstalt aufgenommenen Mädchen war man denn doch. So war die Oberrealschulkommission auf ihrer Sitzung am 09.02. 1926 mit der erneuten Besetzung der Schularztstelle betraut. Der Schulleiter führte dazu aus, dass "mit Rücksicht auf die älteren Schülerinnen für die Oberrealschule als Schularzt nur ein älterer, verheirateter Arzt in Frage komme". Der daraufhin berufene Arzt war Jahrgang 1859, saß selbst in der Realschulkommission und hatte diese Stelle dann noch bis 1930 inne, wofür man eigens die Ausnahmegenehmigung des Ministeriums eingeholt hatte, da er das Pensionsalter von 65 Jahren bereits überschritten hatte. Aber bei ihm bestand wohl nach Ansicht der so auf die Moral bedachten Herren keine allzu große Gefahr mehr... Trotzdem war die Schule zumindest einem einzelnen Werdauer Bürger denn doch noch zu unmoralisch, denn er beschwerte sich am 24.12 (!) 1929 über die Anzugsordnung der Oberschüler beim Turnen auf dem Schlossplatz, genauer über deren "kürzeste Badehosen". Daraufhin musst der Schulleiter in einer Stellungnahme erklären, dass diese "kurze Hose mit Beinröhren" (!) laut Turnlehrplan vorgeschrieben sei und der Vorbereitung auf die Reichsjugendwettkämpfe diene.
Auch wenn aus heutiger Sicht eher unterhaltsam wirkend, zeigen sich finanzielle Engpässe an einem anderen schulorganisatorischen "Kampfplatz" der 20er Jahre. Spätestens 1920 befasste sich die Realschulkommission erstmals mit "üblen Gerüchen" an der Schule. Als Ursache wurden die Pissoiranlage und das teilweise Offenstehenlassen der Holzdeckel in den Aborträumen ausgemacht. Da der Einbau einer Wasserspülung, vor allem durch die damit notwendig werdende Heizgelegenheit, zu teuer war, wurden Schilder vorgeschlagen, die entsprechende Holzdeckelverächter mit Schulstrafen bedrohten. Außerdem wurde auf die Notwendigkeit besserer Lüftung sowie auf das wöchentliche Streichen mit Pissoiröl orientiert. Irgendwie erwiesen sich die Düfte jedoch als besonders hartnäckig und kamen den Herren der ehrwürdigen Kommission wenn auch nicht zur Nase, so doch wiederholt zu Ohren. Jedoch erst eine ernsthafte Kritik des Schularztes sowie eine schriftliche Stellungnahme des Lehrerkollegiums und ein Vorstelligwerden des Schulträgers beim Ministerium führten dazu, dass 1927 in die Kellerräume neue Abortanlagen, mit Zugang vom Hof eingebaut wurden, 1928 ergänzt durch eine Klärgrube.
An den Gesamtkosten von 16000 RM hatte sich das Ministerium mit 5000 RM beteiligt. Sicher war es für die Schule günstig, dass diese Arbeiten 1928 abgeschlossen wurden, sonst wäre die alleinige Verwendung von Pissoiröl zur Duftbekämpfung wahrscheinlich ein Dauerbrenner geworden und man hätte vielleicht nicht einmal mehr die aus Holz bestehenden und mit Sägespänen bestückten Spucknäpfe auf den Korridoren erneuern können, denn 1929 wurde die Lage durch die ausgebrochene Weltwirtschaftskrise wieder besonders brisant.

Stadtensemble in den Zwanzigern

Werdauer Realschule um 1915

Bereits im Februar 1929 musste wegen Kohlemangels der Unterricht kurzzeitig ausfallen. Eine für das Wiegen der Schüler benötigte Waage war nicht zu finanzieren und wurde schließlich von einem der Lehrer, Dr. Jurich, selbst angeschafft. Die sächsische Sparverordnung von 1931 zwang dann zu penibelstem Haushalten mit den Gehaltskosten, was erneut alles auf den Kernbereich des unmittelbaren Unterrichts schrumpfen ließ.
Dass die finanziellen Engpässe immer wieder zumindest relativiert werden konnten, war damals Initiativen der Stadt ebenso zu verdanken wie der von privaten Spendern. So konnte nach Fertigstellung des städtischen Freibades im Kranzberggrund dort unentgeltlicher Schwimmunterricht durchgeführt werden. Über die "Industrieliste" Werdaus flossen der Oberrealschule Spenden zu, die z.B. im Schuljahr 1926/27 die beachtliche Höhe von 20000 RM erreichten. Die Stadt war es auch, die in den Krisenjahren 1929 bis 1932 für jeweils 20 bis 30 Kinder ein kostenloses Milchfrühstück zur Verfügung stellte. All das konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die hehren Ziele der Weimarer Verfassung weder im sozialen noch im politischen Bereich verwirklicht werden konnten. Auch die Oberrealschule war nicht in der Lage das Bildungsprivileg zu brechen. Obwohl die Zahl der männlichen Sextanter in Deutschland 1931 bei etwa 14% eines Jahrganges lag, gegenüber 8% im Kaiserreich, blieb auch der realistische Schulzweig letztendlich eine Domäne der Ober- und Mittelschichten.
Von 541 Schülern, die 1925 die Werdauer Schule besuchten, waren nur 18 Arbeiterkinder, und nur zwei stammten aus unmittelbar bäuerlichen Verhältnissen. Gerade in der Zeit der Weltwirtschaftskrise gab es dann Bestrebungen, den Zugang zu höheren Schulen zu verschärfen und die Auslese zu forcieren. So blieben 1931/32, dem letzten Schuljahr der Weimarer Republik, 87% aller Schulabgänger auf den Abschluss der Volksschule beschränkt, 4% erreichten die 1931 eingeführte "Mittlere Reife" ( entspricht der heutigen 10. Klasse ) und 9% gelangten zum Abitur, darunter seit 1928 jährlich auch 20 bis 30 Absolventen der Werdauer Oberrealschule. Ähnlich problematisch gestaltete sich die politische Entwicklung. Obwohl sich republikanische Kräfte in Berlin und besonders bis 1923 ebenfalls in Dresden um den neuen Geist bemühten, blieb die Republik weitgehend ohne Republikaner. Diese Diskrepanz zeigte sich exemplarisch in Werdau. Einerseits wurden jährlich an der Schule Verfassungsfeiern durchgeführt, war der 9. November als Revolutionstag zumindest zeitweilig unterrichtsfrei und wurde z.B. dem verstorbenen Reichspräsidenten Ebert am 5.3.1925 in der Schule eine Gedenkveranstaltung gewidmet. Andererseits gab es wiederholt Anlass für Kritik Außenstehender an politischen Erscheinungsformen der Schule.
So führte 1924/25 wiederholt ein Stadtverordneter Beschwerde über das an der Oberrealschule verwendete Liedgut, z.B. darüber, dass ein Turnlehrer beim Marsch zur Turnhalle ein Stahlhelmlied singen ließ. Der Betreffende rechtfertigte sich damit, dies sei ein spontaner Einfall von Schülern gewesen, er selbst kenne nur den Refrain des Liedes und handle ansonsten nach dem Grundsatz, dass Politik nicht in die Schule gehöre. Wenig später wurde eine ähnliche Beschwerde über das Absingen militärischer Soldatenlieder seitens der Schule mit der Begründung zurückgewiesen, dies seien Volkslieder aus einem vom Ministerium nicht beanstandeten Liederbuch. Verschärft fand eine ähnliche Debatte 1931 statt, in die sich das "Sächsische Volksblatt" eingeschaltet hatte. Anlass waren die Schulbibliothek und an der Schule eingesetzte Schulgebete. In der Schülerbücherei waren Bücher vertreten, wie das von Kapitänleutnant a.D. Manfred von Killinger: "Ernstes und Heiteres aus dem Putschleben". In diesen Memoiren eines Kapp-Putschisten (Kapp u.a. versuchten 1920 die Republik durch einen Militärputsch zu stürzen) und Führers einer Femetruppe rühmt dieser sich, einen Bolschewisten ermordet zu haben. Eben diese Buch empfahl der für die Schülerbücherei zuständige Lehrer, der zugleich Vorsitzender der DNVP (Deutschnationale Volkspartei) Werdaus und Mitglied des Stahlhelms war, seinen Schülern. Gleichzeitig bezeichnete er Remarques Antikriegsroman "Im Westen nichts Neues" als "großen Schund". Bezeichnend für den Geist der Schule war, dass nach dieser Kritik in der Öffentlichkeit das Buch Killingers auf Beschluss der Lehrerversammlung aus der Schülerbücherei in die Lehrerbücherei übernommen wurde. In der Obertertia (entspricht der heutigen Klassenstufe 9) wurden seit Ostern 1931 Schulgebete eingesetzt, in denen es z.B. hieß:
"Vater, in deiner allmächtigen Hand steht unser Volk und Vaterland.
Du warst der Ahnen Stärke und Ehr', bist unsere ständige Waffe und Wehr.
Drum mach uns frei von Betrug und Verrat,
Mache uns stark zu befreiender Tat,
Schenke uns des Heilands heldischen Mut.
Ehre und Freiheit sei höchstes Gut!
Unser Gelübde und Losung sei:
Deutschland erwache! Herr mach uns frei! Das walte Gott."
Diese vom Staatsgerichtshof als verfassungswidrig eingestuften Gebetstexte wurden im Werdauer Unterricht eingesetzt unter der Rechtfertigung, dass die Verfassungswidrigkeit den Lehrern nicht bekannt gewesen sei. Man war eben unpolitisch..
Dies aber auch wieder nicht so sehr, als dass man nicht eine Schulgruppe des "Vereins für das Deutschtum im Ausland", z.B. durch Aufführungen des siebenbürgischen Schauspiels von E.W. Möller "Bauern", aktiv förderte oder dass man den NS-Schülerbund, z.T. offen mit dem Abzeichen der "Wolfsangel" auftretend, an der Schule ab 1931 zumindest duldete.
Der alte Geist hatte die neue Zeit überlebt und war bereit für eine ganz neue Zeit...

"Führer befiehl, wir folgen dir!" - Die Oberschule für Jungen in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945)

"Wir werden ebenso sehr den Lehrkörper von den marxistisch-demokratischen Erscheinungen säubern wie umgekehrt den Lehrplan unseren nationalsozialistischen Tendenzen und Gedanken anpassen."
(Adolf Hitler)

Bereits vor dem 30.01.1933, dem Machtantritt Hitlers, stellte die NSDAP in vier Ländern, darunter mit dem späteren Reichsinnenminister Wilhelm Frick in Thüringen, den Kultusminister, und damit den für Bildungspolitik Hauptverantwortlichen. Das allein zeigt, welchen Stellenwert die NSDAP Fragen der Bildung und Erziehung beimaß. So war es nur logisch, dass gerade dieser Bereich im Zuge der Gleichschaltung mit der Einrichtung des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung 1934 einer zentralistischen Kontrolle unterworfen wurde. Die von Hitler anvisierte "Säuberung" wurde in der Folge mit aller Konsequenz durchgeführt.
In vorauseilender Manier hatte das Sächsische Ministerium für Volksbildung bereits am 20. März 1933 die Säuberung der Lehrer- und Schülerbüchereien im nationalsozialistischen Sinne angeordnet. Hier konnte die Oberrealschule Werdau am 31.03.1933 dem Schulamt beim Rat der Stadt Folgendes berichten: "Da sich in der Lehrer- und Schülerbücherei der Oberrealschule seit ihrem Bestehen niemals Bücher befunden haben und befinden, die der Bildung und Erziehung der Jugend zum nationalen und völkischen Gedanken, zum Christentum und echter Volksgemeinschaft entgegenwirken könnten, da überdies selbst von der Leitung und Lehrerschaft als selbstverständlich betrachtet worden ist, nur Bücher, welche auf religiöser und nationaler Grundlage beruhen, in die Bücherei einzustellen, brauchen keine Bücher aus den Büchereien entfernt zu werden." Auch wenn man in Rechnung stellen muss, dass einer solchen Äußerung naturgemäß die Tendenz der Rechtfertigung nach außen innewohnt, kann man ihr wohl im konkreten Falle insofern Glauben schenken, als die Debatte um die Schulbücherei aus dem Jahre 1931 (Vgl. Abschnitt über die Weimarer Zeit!) genau in diese Richtung weist. So dürfte auch eine Meldung vom 2.5.1933 absolut zutreffen, in der es hieß: "Bücher mit pazifistischer Tendenz sind niemals in diese Büchersammlungen (d.h. die der Schule, der Verfasser) eingereiht worden." Trotz alledem wurde der Buchbestand nochmals durch zwei Lehrer, selbstverständlich Mitglieder der NSDAP, überprüft und in der Folgezeit gezielt durch NS-Literatur ergänzt. Einen Teil dieser "neuen" Literatur bekam die Werdauer Schule dabei, wie andere höhere Schulen auch, unentgeltlich überlassen, so z.B. 1936 eine vierbändige "Geschichte des Krieges" von Stegemann direkt als Sonderspende des Führers, deren spezielle Bestellung und Eingang mussten dabei dem Reichsstatthalter Sachsen unmittelbar angezeigt werden. Man war halt um das "geistige Wohl" der Heranwachsenden besorgt.
Um eine vollständige Anpassung an das neue Regime zu erreichen, gab es auch personelle Konsequenzen. So wurde der langjährige Schulleiter Dr. Eilers 1935 (allerdings ohne dass prinzipielle politische Unstimmigkeiten bekannt wären, eventuell auf Grund einer teilweise jüdischen Herkunft) frühpensioniert und schieden mit dem Prokuristen Weiß und dem Schriftsetzer Roth bereits 1933 zwei Mitglieder aus der Oberrealschulkommission aus, um durch wahrscheinlich genehmere Personen ersetzt zu werden. Der veränderte Charakter der Schule zeigte sich im gleichen Jahr formal in der Anschaffung von Hitler- und Hindenburgbildern sowie einer Hitlerbüste. Außerdem bekam die Schule ein Rundfunkgerät und einige Kleinkaliberbüchsen. Man war so frühzeitig für die neue Zeit gerüstet.
Anstelle der Würdigung der Weimarer Verfassung beging die Schule seit 1933 den Führergeburtstag. Im Auftrag des Reichsstatthalters wurden dabei Schülerprämien in Form von Büchern mit "tiefem nationalpolitischen Gehalt" oder Bildbände über den Führer bzw. über andere "bedeutende Nationalsozialisten" ausgegeben. Bereits 1935 bewarben sich mehrere Schüler der Oberrealschule um die Aufnahme in die SS, wurden aber auf Grund des großen Ansturms von Bewerbern vom Ministerium zunächst abgelehnt. Demgegenüber war die "freiwillige" Meldung zum RAD (Reichsarbeitsdienst) bereits Voraussetzung für die Aufnahme eines Studiums. Nach der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 wurde auch in Werdau der militärpolitische Aspekt deutlicher. Im Oktober 1935 erfolgte die erste Einberufung eines Lehrers zum Heeresdienst. Abschlussfahrten der Primaner nach Verdun, zu den Kampfstätten sächsischer Truppen 1870 und im Ersten Weltkrieg, sowie Besuche in militärischen Einrichtungen, z. B. im Fliegerhorst Altenburg, gehörten zum üblichen Repertoire der Schule.
Besonders gefördert wurde der Sport. Ab 1937 hatten die Jungen 5 Pflichtstunden Sport wöchentlich, die Mädchen 4. Neben dem Schulgebäude wurde auf dem Fußweg eine 100 m - Laufbahn eingerichtet. Schwimmwettkämpfe, für die nach wie vor unentgeltlich das Freibad zur Verfügung stand, u. a. außerunterrichtliche Aktivitäten ergänzten diese Bestrebungen. Wer das Klassenziel in Leibesübungen nicht erreichte, konnte bei "mangelndem Einsatzwillen" der Schule verwiesen werden. Selbst bei schweren körperlichen Gebrechen war seit 1936 die Aufnahme an höhere Schulen in Frage gestellt. 1938 mußte z. B. vom Ministerium eine gesonderte Genehmigung eingeholt werden, damit ein vom Turnunterricht wegen eines schweren Herzfehlers befreiter Schüler an der Schule verbleiben durfte. Körperliche Gebrechen führten zur Einstufung als "minderwertig".
Umso mehr traf das auf nichtarische Schüler zu. Diese mußten seit 1936 in der Schulstatistik gesondert ausgewiesen werden. 1936 und im Folgejahr wurde hier bei etwa 250 Schülern lediglich eine nichtarische Schülerin registriert. Dazu kam ein nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzender Junge. Welchen Stellenwert der Antisemitismus auch im Denken der Menschen einnahm, lässt sich erahnen, wenn man liest, dass 1941 ein Bürger aus Dortmund eine Anfrage an die Werdauer Schule richtete, in der er darum bat, seiner verstorbenen Mutter den Schulbesuch an der Oberschule zu bestätigen, um damit belegen zu können, dass es sich um eine Arierin gehandelt habe. Auch wenn diese Bitte von der Werdauer Schule abgelehnt wurde, da eine entsprechend weit zurückliegende Statistik über Religionszugehörigkeiten nicht vorlüge (der Absender konnte keine genauen Angaben über den Zeitpunkt des Schulbesuchs seiner Mutter machen), ist doch bezeichnend, dass man 1941 allein aus dem Besuch einer höheren Schule glaubte, auf arische Abstammung schließen zu können.
Da 1937 in der Schulstatistik nur 2 Schüler als Nichtmitglied in der HJ (Hitler-Jugend) bzw. im BDM (Bund Deutscher Mädel) aufgeführt werden (1936 waren es noch 6), liegt es unter Heranziehung vorgenannter Statistik nahe, dass bereits 1937 alle "arischen" Schüler der Schule Mitglied der nationalsozialistischen Massenorganisation waren. Obwohl HJ und BDM außerhalb der Schule, d. h. nach dem Wohnortprinzip, organisiert waren, spielten sie für die Schule eine immer größere Rolle. Schon 1935 war der Antrag eines Oberprimaners auf Beurlaubung vom HJ-Dienst wegen der Vorbereitung auf die Reifeprüfung vom Ministerium abgelehnt worden, ein Standpunkt, den der damalige Schulleiter dienstbeflissen vorher bereits selbst eingenommen hatte.
Beurlaubungen von Schülern für Lehrgänge im Rahmen der HJ (z.B. Sommerlager, Führerschulen, Segelflugausbildung u. a.) wurden demgegenüber in zunehmendem Maße genehmigt, insbesondere dort, wo dies im Zusammenhang mit dem künftigen Wehrdienst oder dem Offiziersberuf stand. Die Schüler selbst unterstützten durch Sammlungen das Winterhilfswerk (offiziell eine Einrichtung zur Unterstützung Bedürftiger; in der Realität aber mehr und mehr für Rüstungszwecke missbraucht) und durch Postkartenverkäufe den Verein für das Deutschtum im Ausland.
Im Zuge der Disziplinierung von Lehrern wie Schülern im Sinne des Nationalsozialismus fanden spätestens seit 1937 sogenannte "Leistungskämpfe" statt. Im Rechenschaftsbericht für den Frühjahrszeitraum 1937 an den Reichsstatthalter in Sachsen vom 29.06. heißt es: " Es darf gesagt werden, dass die Lehrer sich ernsthaft bemühen, sowohl vor der Klasse als auch allgemein die Haltung zu zeigen, die wir als soldatisch bezeichnen und verlangen. " Dabei waren seitens vorgesetzter Instanzen auch kaum größere Anstrengungen nötig, um die Wedauer Lehrerschaft auf "Linie" zu bringen. Mit einer Ausnahme, einem ehemaligen Freimaurer, der allein deshalb nicht in die NSDAP aufgenommen wurde, waren alle anderen Lehrer Mitglied der Partei und erschienen bei besonderen Anlässen in Parteiuniform. Einen weiteren Einschnitt im Hinblick auf die Ausrichtung zum Nationalsozialismus stellt die Umstrukturierung der höheren Schulen dar. So wurde Ostern 1938 aus der neunstufigen Oberrealschule die achtstufige Oberschule für Jungen.
Bereits der Name deutet auf die neue Akzentsetzung hin. Ganz im Sinne des nationalsozialistischen Frauenbildes, nach dem Frauen und Mädchen schrittweise aus der akademischen Bildung herausgedrängt werden sollten und nach dem z. B. an den Universitäten eine Höchstquote weiblicher Studierender von 10% festgelegt war, wurden die Mädchen auch an den höheren Schulen diskriminiert. Zwar existierte neben der jetzt weitgehend einheitlichen Oberschule für Jungen auch eine solche für Mädchen, aber ab Klasse 6, eingereiht in andere Nichtvollanstalten, wie z.B. Realschulen, und ohne Berechtigung zum Hochschulstudium. Da es in Werdau aber keine entsprechende Bildungseinrichtung gab, konnten Werdauer Mädchen weiterhin die Oberschule besuchen, unterlagen dort aber Sonderregelungen. So mußten sie in Leibeserziehung, Biologie und Handarbeit von Lehrerinnen unterrichtet werden. Für letztere wurden extra ein eigenes kleines Lehrerzimmer hergerichtet. (Man achtete sehr auf Moral! )Bezeichnenderweise fand der Handarbeitsunterricht anstelle des Lateins für die Jungen statt, was den Zugang zum Studium weiter einschränkte.
Neben diesen frauenfeindlichen Tendenzen zeigten sich auch soziale Umstrukturierungen. Waren im Deutschen Reich 1933 rund ein Drittel aller Studienanfänger aus der Oberschicht, so waren dies 1939 fast 50%. Ansatzweise zeigte sich dieser Trend auch in Werdau. Während 1928 noch 160 Schüler ganz oder teilweise vom Schulgeld befreit waren, reduzierte sich diese Zahl bis 1935 auf 85. Hinzu kommt, dass die Gebühren inzwischen 240 Reichsmark, ab 1940 300 Reichsmark pro Jahr betrugen, wozu noch Ausgaben von 30 bis 50 Mark für Lehrbücher kamen. Bezeichnend ist, dass nichtdeutsche Schüler bereits 1935 480 Reichsmark zu zahlen hatten. Deren Diskriminierung hatte also ganz handfeste Aspekte. Bedenkt man dabei, dass sich die Löhne gegenüber der Weimarer Zeit kaum verändert hatten, sich für Arbeiter und kleine Angestellte etwa um 150 RM bewegten, erkennt man, dass sich die soziale Schere, ganz entgegen der Goebbels'schen Propaganda von der "Volksgemeinschaft", weiter öffnete, der Besuch einer höheren Schule durchaus auch eine ökonomische Frage war.
Im Rahmen der NS-Wirtschaftspolitik, speziell der Autarkiebestrebungen, mit denen sich Hitler im Zuge der Kriegsvorbereitung vom Ausland unabhängig machen wollte, wurden auch die Schulen zu Sammlungen herangezogen. Im Schuljahr 1938/39 erbrachten diese in Werdau insgesamt z.B. 46t Altpapier sowie 5,5t Knochen und Altmaterialien, woran auch die Oberschule beteiligt war. Daneben betrieb diese eine kleine Seidenraupenzucht zur Gewinnung von Fallschirmseide, welche endgültig erst 1954 wieder eingestellt wurde. Darüber hinaus wurden die Oberschüler zum Eintragen von Heilkräutern angehalten, die sie getrocknet abzuliefern hatten. Dass dabei ein gewisser Druck ausgeübt wurde, ist daran erkennbar, dass Schüler die geforderte Menge Walderdbeerblätter gegebenenfalls aus dem heimischen Garten ergänzten oder sogar Taubnesselblüten in der Apotheke kauften, um sie als eigenes Sammelergebnis vorweisen zu können. Auch zu praktischer Arbeit, speziell in der Landwirtschaft, wurden die Schüler herangezogen. Den dabei herrschenden Geist verdeutlicht eventuell folgende Episode: Beim Unkrautjäten in einem Flachsfeld nahe Beiersdorf reißt ein mit derartigen Arbeiten wenig vertraute Schüler statt Unkraut vereinzelt auch Flachspflanzen heraus. Daraufhin bezeichnet ihn der Aufsicht führende Lehrer als "Volksschädling". Typisch aber für das Bestreben, derartige Vorfälle nicht aufzupauschen, um das Image der Schule nach außen nicht zu schädigen, hatte der Vorfall darüber hinaus keinerlei Konsequenzen.
Drastische Einschnitte in den Schulbetrieb brachte dann der Zweite Weltkrieg. Bereits am 26.08.1939 wurde der damalige Schulleiter, ein Reserveoffizier der Wehrmacht, einberufen. Ihm folgten noch im Schuljahr 1939/40 weitere 4 Lehrer und 16 Abiturienten. Nur noch 9 männliche Abiturienten konnten 1940 planmäßig ihr Abitur ablegen. Generell standen die beiden obersten Klassen als Reservoir für RAD (Reichsarbeitsdienst) und Wehrmacht bereit, während die nächsten beiden Klassenstufen bei Bedarf als Luftwaffenhelfer herangezogen wurden. Dies hieß dann, dass sie gegebenenfalls in einer größeren Stadt einer Flackbatterie zugeteilt wurden, daneben nach Möglichkeit aber auch noch Unterricht hatten. Bezeichnend für die Wertschätzung ihres Kriegseinsatzes ist die Tatsache, dass die Beurteilung durch die Armee selbst bei Fragen der Versetzung beachtet wurde und der jeweilige Batteriechef das Jahreszeugnis mit zu unterschreiben hatte. So wurde z.B. 1943 der Einspruch eines Vaters gegen die Nichtversetzung seines Sohnes in Klasse 7 vom Minsterium in Dresden nach Rücksprache mit der Leitung der Oberschule zurückgewiesen, mit der Begründung, dass eben körperliche (sprich militärische), charakterliche und geistige Leistung (in dieser Reihenfolge!) bewertet werden müsse. Obwohl im vorliegenden Falle die Nichtversetzung auch aus Leistungsgründen gerechtfertigt war, bleibt doch diese prinzipielle Stellungnahme symptomatisch. Der Krieg beeinflusste die Schule jedoch weit vielfältiger. Schon 1939 wurde die Turnhalle zweckentfremdet als Getreidelagerstätte, ab 1940 dann direkt durch die Wehrmacht, genutzt. Schüler wurden zur Erntehilfe delegiert und dafür gegebenenfalls, wie 1939 durch Verlängerung der Herbstferien, Unterricht gestrichen. Die HJ diente allein der Sicherung der Wehrbereitschaft; Mittwochabend, Samstagnachmittag und Sonntagvormittag waren der HJ-Arbeit vorbehalten. Seit der Jugenddienstverordnung vom 25.03.1939 waren bereits Zehnjährige zum Eintritt ins Jungvolk verpflichtet, war die Mitgliedschaft in der HJ für jeden Jugendlichen Pflicht. Für ein Nichterscheinen zum HJ-Dienst war die schriftliche Abmeldung durch die Eltern erforderlich. Der Dienst selbst stand primär unter militärpolitischen Aspekten, Gepäck- und Geländemärsche sowie Wehrsport dominierten. 1940/41 legte nur noch ein Schüler ein reguläres Abitur ab, die übrigen 21 erreichte vorher die Einberufung zu RAD oder Wehrmacht. Beurlaubungen von Schülern zu tageweisen oder mehrwöchigen Formen militärischer Ausbildung, z.B. im Rahmen des SA-Reitersturms, oder zum Besuch militärischer Einheiten, wie des U-Boot-Stützpunktes in der Danziger Bucht, wurden Alltag.
Ständige montägliche Fahnenappelle, das Verlesen von exemplarischen Feldpostbriefen einberufener Oberschüler sowie die wehrpolitische Ausrichtung des gesamten Unterrichts belegen die Funktion der Schule als propagandistisches Instrument des Nationalsozialismus. In den Jahren 1942 bis 1944 gestellte Aufsatzthemen lauteten z.B.: "Die Wehrbauerngrenze", "Vom Volkstumskampf", "Burggraf Friedrich zwingt Dietrich von Quitzkow", "Der deutsche Ritterorden im Kampf für das Ostland", "Allerhand Bemerkungen zum Kampf gegen Fremdwörter" oder "Untreue schlägt ihren eigenen Herrn (am Beispiel des Abfalls von Italien)". Der Druck auf Schüler , sich freiwillig zum Kriegseinsatz zu melden, wurde verstärkt. Kriegsfreiwillige trugen an der HJ-Uniform ein rotes Bändchen. Auch in Form von ins Reich gekommenen volksdeutschen Mitschülern, z.B. aus Rumänien oder Litauen, oder von Gastschülern aus Hamburg, Berlin u.a. Metropolen, die privat aus diesen bombengefährdeten Städten nach Werdau gekommen waren, rückte der Krieg näher.
Ab Frühjahr 1944 wurden die 14-jährigen zu Nachtwachen (20.00 Uhr bis 6.00 Uhr) eingeteilt, um bei Fliegerangriffen unter Anleitung eines Lehrers erste Brandbekämpfung durchführen zu können. Auch wenn diese Nachtwachen, da sie wochentags mit 1,50 RM und Samstag zu Sonntag mit 3 RM honoriert wurden und die Erlaubnis brachten, am nächsten Morgen erst zur zweiten Stunde zum Unterricht zu erscheinen, einen eher abenteuerlichen und positiven Anklang bei den Jungen fanden, zeigt sich hier doch bereits die Agonie des NS-Staates.
Selbst die Mädchen wurden in zunehmendem Maße für den Krieg mobilisiert. Nach dem Erlass des Jugendführers des Deutschen Reiches vom 20.7.1943 wurden die Schülerinnen der 7. Klassen der Oberschulen für Mädchen, was analog auch auf Werdau zutraf, zur Arbeit in Kindertagesstätten u.ä. Einrichtungen herangezogen. Am 26.1.1944 ordnete der Leiter des Meldeamtes Zwickau die sofortige Musterung aller Abiturientinnen im Einzugsbereich für den RAD an. Dass bei alldem der Unterricht nur noch zweitrangig war, versteht sich wohl von selbst. Lehrereinberufungen hatten dazu geführt, dass die Höchstschülerzahlen für die jeweiligen Klassen erst heraufgesetzt, dann durch die Festlegung, dass sie bei Lehrermangel überschritten werden durften, quasi außer Kraft gesetzt wurden. Selbst der Sportunterricht, das Paradepferd nationalsozialistischer Erziehung, fand auf Grund der Tatsache, dass die Sportlehrer allesamt einberufen waren, nur noch ersatzweise statt.
Bei Fliegeralarm waren Evakuierungen der Schüler in die Keller der umliegenden Häuser geplant. Dass daraus nie blutiger Ernst wurde, verdankt die Schule dem für unsere Region glimpflich verlaufenden Krieg, der Werdau weitestgehend verschonte. Dennoch fielen über 200 Absolventen und Schüler der Werdauer Oberschule, doppelt so viele wie im 1. Weltkrieg. Auch und gerade sie waren von der Schule für die Schlachtbank vorbereitet worden und gingen, selbst wenn sie das naturgemäß nicht so sahen, politisch indoktriniert in den Tod.
Sehr begrenzt blieb eine gewisse Resistenz dem NS-Gedankengut gegenüber, wie sie in den Worten von Studienrat Miersch, die von einem ehemaligen Schüler überliefert wurden, zum Ausdruck kommt: "Der Nationalsozialismus wird sich erst dann völlig durchsetzen, wenn wir Alten, die wußten, wie es früher war, tot sind." Dass er sich nicht durchgesetzt hat, war nicht das Verdienst der Oberschule. Hier handelte man weit eher nach der Devise: "Führer befiehl, wir folgen dir!"

 

1. Werdauer Bürgerschule (Gebäude des heutigen Gymnasiums) im Jahre 1893

"Aufbruch 45" - Der Neubeginn der Schule in der Sowjetischen Besatzungszone (1945-1949)

"Das Erziehungswesen in Deutschland muß so überwacht werden, daß die nazistischen und militärischen Lehren völlig entfernt werden und eine erfolgreiche Entwicklung der demokratischen Ideen möglich gemacht wird."
(Potsdamer Abkommen 1945, Abschnitt III, Punkt A7)

Völlig zu Recht legten die Siegermächte des Krieges gerade auf den Aspekt der Bildung und Erziehung Wert. Zu augenscheinlich und zu verheerend waren die Folgen von 12 Jahren nationalsozialistischer Beeinflussung der Jugend. Fanatisierte Jugendliche in HJ-Uniform, die sich ergebende amerikanische Piloten wie Hunde totschlugen, waren nur die Spitze des Eisberges, zu dem Goebbels'sche Verhetzung die Herzen junger Deutscher eingefroren hatte. Um diese Spätfolgen wieder "aufzutauen", sahen die Alliierten die Schule als Hauptfaktor der Demokratisierung und forderten z.B. Beseitigung der elitären Gliederung des deutschen Schulsystems, um gleiche Bildungschancen für alle zu gewähren.
Die ursprünglichen Vorstellungen wurden aber lediglich in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) realisiert, wo man eine 8-jährige Einheitsschule mit darauf aufbauender weiterführender Schule schuf. Durch den Ost-West-Gegensatz wurde dieses Modell im Westen als kommunistisch diffamiert und schon aus dem Prinzip der Abgrenzung heraus rasch das alte Schulsystem wiederbelebt. In der SBZ jedoch nahmen die Verantwortlichen die Potsdamer Beschlüsse zunächst als Basis ihres Handelns. Die SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland) widmete sich 1945 ebenso in mehreren Befehlen der Schulentwicklung wie auch KPD und SPD sich am 18.10.1945 gemeinsam (!) in einem Aufruf der demokratischen Schulreform zuwandten, bevor ähnliche Vorstellungen 1946 in den 5 Ländern und Provinzen der SBZ Gesetzeskraft erlangten.
Die praktische Umsetzung derartiger Neuorientierungen gestaltete sich schwierig. An der Oberschule Werdau war am 9.4. 1945, also eine Woche vor dem Einmarsch der Amerikaner, der Unterricht eingestellt worden. Auf Befehl der SMAD wurde am 1.10. der Schulbetrieb mit 313 Schülern wieder aufgenommen, jedoch vom 24.11. bis 9.12. 1945 erneut unterbrochen. In diesem Zeitraum erfolgten entscheidende Umstellungen im Sinne des oben genannten Potsdamer Abkommens. Einerseits wurden ehemalige NSDAP-Mitglieder unter den Lehrern entlassen. Das betraf alle, mit Ausnahme von Dr. Herrmann, der jetzt die Leitung der Schule übernahm. Andererseits wurden die Schüler überprüft, d.h., weniger Begabte, die wohl auch unter Normalbedingungen nicht zum Abitur gelangt wären, und Kinder besonders belasteter NS-Funktionsträger wurden ausgesondert, so dass sich die Schülerzahl auf 206 (darunter 76 Mädchen) reduzierte. Unter diesen befanden sich sehr viele, die auch vor dem 9.4. die Schule besucht hatten, vor allem auch Jugendliche, die während des Krieges das Notabitur abgelegt hatten, das jetzt allerdings keine Anerkennung mehr fand. Sie alle wurden, entsprechend ihres Leistungsstandes, in die Klassenstufen neu eingeordnet.
Äußerst schwierig war auch die Situation der Lehrer. Aus politischen Gründen hatte man die alten pauschal entlassen, darunter auch keineswegs fanatisierte Nazis, wie z.B. den bereits erwähnten Studienrat Miersch, der jetzt als Straßenkehrer arbeiten musste. An ihre Stelle traten zumeist Neulehrer, die sich die Lehrbefähigung theoretisch wie praktisch erst aneigneten. Neben dem Schulleiter verfügten im Schuljahr 1946/47, das man als wieder annähernd regulär verlaufend einschätzen kann, von 12 Lehrern nur 3 über eine abgeschlossene berufsspezifische Hochschulausbildung. Bis 1954 gelang es jedoch allen an der Oberschule Unterrichtenden über ein entsprechendes Fernstudium zumindest die Qualifikation des Mittelstufenlehrers zu erlangen. Mit welchen Anstrengungen das verbunden war, kann wohl nur ermessen, wer neben seiner Berufstätigkeit einmal eine solche Ausbildung absolvierte. Auch das kennzeichnet den Enthusiasmus und die Aufbruchstimmung, die nach Zerschlagung der NS-Diktatur herrschten. Dabei kann von zielgerichteter politischer Indoktrination in dieser Neuorientierungsphase nicht gesprochen werden. Von den 12 Lehrern, die am 9. 12. 1945 den Lehrbetrieb aufnahmen, war nur einer Mitglied der KPD, einer gehörte den Liberaldemokraten an, während die übrigen 10 parteilos waren. Zudem war die Lehrerschaft, was Herkunft und Bildung anbelangt, recht heterogen zusammengesetzt. Einer kam aus der Forschungsabteilung von Siemens, eine war in Berlin ausgebombt und nach Westsachsen verschlagen worden, andere waren durch den Krieg an der Vollendung ihrer Ausbildung gehindert worden. Nur die wenigsten waren gestandene Schulleute. Sie alle einte der Wille zum Neubeginn.
Die Schülerschaft war eine in der Tendenz grundsätzlich bürgerliche, rekrutierte sich weitgehend aus Kreisen der sozialen Mittelschicht. Das mag auch am nach wie vor zu entrichtenden Schulgeld von 240 DM im Jahr gelegen haben, das vergleichsweise einem Monatsgehalt des 1951 eingestellten Hausmeisters (250 DM) entsprach. Für die an der Schule Lernenden war die materielle Situation nicht leicht. So boten vor allem von auswärts, also von den Dörfern Kommende Semmeln und Stullen im Tausch gegen Hausaufgaben. Hoch im Kurs standen beispielsweise schwierige geometrische Zeichnungen. Hier konnte schon einmal ein Stück Butter den Besitzer wechseln.. 1946 wurde dann täglich an jeden Schüler eine schwarze Semmel ausgegeben. Auch wenn diese nach heutigen Maßstäben ein saueres und bitteres Etwas war, für viele bedeutete sie damals wenigstens ein sicheres Frühstück.
Als 1947 wieder erste Klassenfahrten durchgeführt wurden, glich z.B. ein Trip nach Saalburg einem Abenteuerurlaub. Ein Vater hatte einen Holzvergaserwagen mit einem Busanhänger organisiert. Der Fahrer bekam von jedem Teilnehmer eine Zigarette, was seinen Lohn darstellte. Für alle war Selbstverpflegung angesagt. Auch eine Abifahrt nach Rügen sah 1949 noch ähnlich aus. Neben den teilweise bereits geflickten Zelten waren Rucksäcke mit mühsam von zu Hause besorgter Verpflegung die wichtigsten Reiseutensilien. Für mit viel Elan organisierte Schauspiel- oder Opernbesuche in Leipzig waren unmittelbar nach dem Krieg zunächst für die Bahnfahrt besondere Genehmigungen ebenso erforderlich wie das Besorgen von Privatquartieren, da eine Rückfahrt abends nach der Vorstellung nicht mehr möglich war.
Kompliziert war vor allem die materielle Absicherung des täglichen Unterrichts. Im Januar 1946 wurde aus Heizgründen das Oberschulgebäude sozusagen dreischichtig genutzt. Vormittags fand der reguläre Unterricht der Oberschule statt, nachmittags wurden Volksschulklassen hier untergebracht und abends nutzte die Volkshochschule die Räume. Auswärtige Oberschüler hatten z.T. sehr beschwerliche Anmarschwege. Die Teichwolframsdorfer z.B. kamen früh gegen 6.00 Uhr mit dem Zug und konnten erst etwa 18.00 Uhr zurückfahren. Ihnen und anderen "Fahrschülern" wurde ein gesonderter Aufenthaltsraum zugewiesen.
Philosophie- und Geschichtsunterricht waren zunächst abgesetzt worden, fanden dann ohne Lehrbücher statt; man stützte sich z.B. auf Engels, Mehring und Abusch ("Irrweg einer Nation"). Sport wurde bis 1948 nicht erteilt, da z.B. die Turnhalle noch von der SMAD belegt war, erst ab 1949/50 wieder der Schule zur Verfügung stand. Ansonsten fand der Unterricht recht traditionell statt. Man betrieb "unpolitische" Naturwissenschaften und huldigte in Literatur dem Mythos Goethe. Aufsatzthemen lauteten u.a.: "Worin liegt die Bedeutung einer freien Presse?" (1946), "Propaganda und Wahrheit" (1948) oder im Abitur 1948 "Über den Wert von Gesetzen". Alles Themen, die durchaus einem demokratischen Neuanfang geschuldet schienen.
Episodisch lässt sich die materielle Lage daran verdeutlichen, dass die Sächsische Landesverwaltung für ihre Informationen an Schulen u.a. Telegrammformulare der Deutschen Reichspost nutzte, die folgende Aufschrift trugen: "Deutscher, benutze für deine Überseetelegramme nur deutsche Funk- und Kabellinien!" In der Stadtverwaltung Werdau wurden für Durchschläge von amtlichen Briefen an Bürger der Stadt noch 1950 die Rückseiten von Stimmzetteln der Wahlen genutzt. ( Man stelle sich die juristischen Folgen derartiger Sparsamkeit heute vor!)
Ab 1947/48 nahm die ideologische Einflussnahme der SED, die sich zur "Partei neuen Typus", d. h. zur Kaderpartei, entwickelte, zu. War 1945 lediglich ein Lehrer Mitglied der KPD, so waren im Schuljahr 1949/50 7 Lehrer in der SED, 2 in der LDP, lediglich einer war parteilos. Generell wurden die Lehrer zunehmend stärker in den sich entwickelnden Staat eingebunden. Die Kreisschulämter (bis 31. 03. 1947 Werdau, danach Zwickau- Land, nach der Gebietsreform von 1952 wieder Werdau) übten Kontrollfunktion aus. Ab 01. 01. 1947 erfolgte die Lehrerbesoldung generell durch das Land. Im gleichen Jahr fanden an der Werdauer Oberschule zwei Inspektionen durch die SMAD (eine aus Karlshorst, die andere aus Zwickau) statt.
Daneben wurde versucht über die FDJ politisch wirksam zu werden. Noch Anfang 1948 war die Zahl der Mitglieder begrenzt, insoweit überschaubar, bewegte sie sich in einzelnen Klassen um die 10%. Der damalige Schulleiter verstieg sich dann allerdings nach Aussagen eines Betroffenen zu Äußerungen wie: "Wer nicht Mitglied der FDJ ist, besteht auch kein Abitur." Obwohl das mit Sicherheit völlig überspannt war, wuchs der politische Druck. Im Januar 1949 wurden die Schülerausschüsse aufgelöst, mit der Begründung, die FDJ- Schulgruppe vertrete alle Schüler. Der IV. Pädagogische Kongress erklärte die antifaschistisch- demokratische Umgestaltung des Schulwesens für abgeschlossen. Jetzt erfolgte eine klar sozialistische Orientierung.
Hatte es bereits 1946 seitens der Landesverwaltung Sachsen, Abteilung Volksbildung eine Weisung gegeben, nach der "alle Schüler , die in ihrer gesamten Haltung erkennen lassen, dass sie nicht gewillt sind, sich die demokratischen Grundsätze anzueignen, zu entfernen sind", gab es ab 1947 in Werdau handfeste politische Disziplinierungen. Am 6.11.1947, dem Vortag der in der SBZ und der späteren DDR besonders gewürdigten Oktoberrevolution 1917 in Rußland, wurden die Bilder Lenins und Stalins von der Wandzeitung im Treppenaufgang gerissen. Die daraufhin eingeleitete Überprüfung der politischen Haltung der Schüler führte dazu, dass in der Folgezeit über 20 Schüler der Schule verwiesen wurden. Die Verlogenheit des Vorgehens wird daran deutlich, dass zumindest bei den ersten fünf Relegierungen die Begründung gegeben wurde: "Verhalten tadelnswert". Einer der von der Oberschule geworfenen Schüler, Manfred Otto Ulbrich, der die Vorgänge selbst 1998 ausführlich dargestellt hat, beschreibt, wie ihm Dr. Herrmann, entgegen der offiziellen Version, eine Bescheinigung gab, dass seiner Relegierung politische Motive zu Grunde lagen. Nicht zufällig traf es mit Ulbrich, der dann im Januar 1948 in den Westen ging, den Sohn des damaligen Kreistagsabgeordneten und CDU- Vorsitzenden von Leubnitz. 1949 wurde der Schüler Karg wegen "antisowjetischer Betätigung und Diskreditierung der neuen demokratischen Regierung" der Schule verwiesen. Symptomatischerweise traf es auch mit ihm einen jungen Mann, der im Rahmen der LDP politisch - aber eben nicht SED- gemäß - aktiv war.
Während 1947 mit einer Gedenkfeier für Walther Rathenau, am 24.6., und einer Gedenkveranstaltung zu Ehren der Opfer des Faschismus, am 13.9. , an der Schule noch der demokratische Anspruch herausgestellt worden war, hatte sich das wenig später deutlich geändert. Bezeichnenderweise verschwand der Referent des 13.9.1947, Gerhard Weck, als ehemaliger Sozialdemokrat, u.a. wegen seiner Kontakte zur West-SPD, ein Jahr später in dem Lager, über das er 1947 noch als Inbegriff des NS-Terrors gesprochen hatte: in Buchenwald, interniert von der SMAD.
Um 1949 formierte sich die Oberschule in Grundzügen so, wie sie danach über Jahrzehnte bestand. Im Schuljahr 1948/49 besuchten in den 4 Klassenstufen 9 bis12 184 Schüler die Schule, von denen 54 Mitglied der FDJ waren. Die Klassen wurden in einen sprachlichen und naturwissenschaftlichen Zweig unterteilt, wobei Russisch verbindlich die 1. Fremdsprache darstellte.
Die Lehrer wurden über den Arbeitsplan der Schule zu mindestens einer Funktion innerhalb demokratischer Organisationen verpflichtet. Gesellschaftliches, sprich politisches Engagement überlagerte rein fachliche Aufgaben. Lehrer wurden im wahrsten Sinne des Wortes Staatsfunktionäre. Die Aufbruchstimmung war geschwunden, der Neubeginn bekam einen faden Beigeschmack...

"Freundschaft, Genosse Stalin!" - Die EOS in der DDR (1949-1990)

Anlässlich des 75-jährigen Bestehens bekam die Werdauer Schule 1950, mitten in der Phase der Stalinisierung, den Namen "Alexander-von-Humboldt-Schule" verliehen. Symptomatischer lässt sich der Spagat der DDR-Bildungspolitik kaum darstellen. Alexander von Humboldt als Vertreter aufklärerisch-liberaler Ideen und weltgewandter Naturwissenschaftler auf der einen - Generalissimus Stalin, der Hauptverantwortliche des Gulagsystems und sowjetischer Abschottungspolitik, auf der anderen Seite. Anspruch und Wirklichkeit klafften weit auseinander.
Grundsätzlich bleibt jedoch zu bemerken, dass mit Beginn der antifaschistisch - demokratischen Umwälzung, wie sie generell genannt wurde, 1945/46 der Versuch, das Bildungsprivileg zu brechen und soziale Schranken für den Zugang zu höherer Bildung abzuschaffen, so deutlich wurde wie nie zuvor. Bereits im Juli 1946 genehmigte der Werdauer Stadtrat, federführend Oberbürgermeister Thiemann und Stadtrat Weck, Finanzmittel für eine aus weniger gut bemittelten Elternhäusern zusammenzusetzende Klasse von 25 Schülern an der Oberschule. Sammelaktionen für bedürftige Schüler erbrachten im Schuljahr 1946/47 15568 Mark. Teilweise und ganze Schulgeldbefreiungen konnten zunächst jedoch nur in ähnlichem Umfang wie vor 1945 gewährt werden. Mit Gründung der DDR wurden aber Schulgeld- und Lehrmittelfreiheit auf die Oberschulen ausgedehnt. Spätestens ab Ende 1951 wurden Unterhaltsbeihilfen an alle Schüler gezahlt, deren Eltern über weniger Einkommen als 250 Mark im Monat verfügten. Diese Einkommensgrenze konnte bald angehoben werden. 1953 erhielten 140 von 240 Schülern Unterhaltsbeihilfen von insgesamt 64000 Mark, was im Durchschnitt etwa 40 Mark pro Monat für den Einzelnen bedeutete.
Darüber hinaus drängte der inzwischen fest etablierte Elternbeirat auf die Gewährleistung einer warmen Mahlzeit für alle Schüler, was ab 1954 auch gesichert werden konnte.
Seit Beginn der 50er Jahre wurde die Garantie eines Studienplatzes für jeden Abiturienten, verbunden mit einem späteren entsprechenden Arbeitsplatz, angestrebt und schrittweise realisiert. Höhere Schul- und damit akademische Bildung war kein soziales Problem mehr. Dies ist um so bemerkenswerter, als die materielle Situation der DDR in den 50er Jahren keineswegs rosig war. Episodisch sei das daran verdeutlicht, dass nach der "Republikflucht" eines Lehrers der Oberschule im Jahre 1951 bei seiner Familie die Hausbrandzuweisung über 4 Zentner (200 kg) Braunkohlenbriketts von der Schule wieder abgeholt wurde. Hierzu muss angemerkt werden, dass 1951 alle wichtigen Güter der Grundversorgung in der DDR per Bezugsschein zugewiesen wurden und dass Lehrer wegen ihrer beruflichen Tätigkeit, die sich zu einem erheblichen Teil zu Hause abspielt, ein zusätzliches Deputat an Kohlen bekamen.
Hier zeigt sich aber auch die politische Brisanz des Vorfalls. Der Familie eines republikflüchtigen Staatsfeindes waren natürlich 200 kg Briketts keinesfalls zu überlassen! Generell war die wirtschaftliche Situation der Schule im Grunde stets schwierig. Bildung wurde aber, im Gegensatz zu vorhergehenden Zeiten, aus prinzipiell politischen Überlegungen stärker gefördert und so war die Schule in keiner Phase auf das Spendensammeln angewiesen. 1956 wurde z. B. eine Niederdruckheizung eingebaut, als dies noch keineswegs zur allgemeinen Grundausstattung gehörte. Interessant dabei ist, dass man, nachdem im Schuljahr 1948/49 neben einer Wetterbeobachtungsstation (betreut vom geo-physikalischen Institut der Universität Leipzig) und einem Filmgerät auch ein Schulfunkgerät angeschafft worden war, dies 1952 durch einen Verstärker ergänzte und dabei als Begründung anführte, dass das "für die ideologische Umerziehung der Oberschüler" notwendig sei.
Das bekannteste Ereignis, das die politische Schulentwicklung in den 50er Jahren nachhaltig prägte, ist der inzwischen mehrfach bekannt gemachte und gewürdigte sogenannte Oberschülerprozess vom Oktober 1951, bei dem 19 junge Leute zu unverhältnismäßig hohen Strafen verurteilt wurden, unter ihnen die Schüler Gäbler, Eckhardt, Schneider, Roth, Körner und Rasch, die jeweils zwischen 10 und 15 Jahren Zuchthaus erhielten. Sie hatten ihrer oppositionellen Haltung durch Flugblattaktionen u.a. offen Ausdruck verliehen und gehören sicher zu den prägnantesten Opfern des Kalten Krieges. Die Schule erwies sich als Handlanger staatlicher Repressionsakte. Doch auch in diesem Fall gab es zumindest den Ansatz, Schule nicht nur so zu verstehen. Am 28.10.1952 wandte sich das Dezernat Volksbildung beim Rat der Stadt an den Rat des Kreises mit der Bitte, über das Volksbildungsministerium beim Generalstaatsanwalt dahingehend einzuwirken, die inhaftierten Oberschüler im Zuchthaus geeigneten Erziehungsmaßnahmen zuzuführen, um sie zu "brauchbaren Mitgliedern unserer Gesellschaft" zu machen und nicht "mit allen möglichen Elementen" jahrelang zusammen unterzubringen. Die Werdauer Ereignisse illustrieren die DDR wohl treffend als "Erziehungsdiktatur". Der Einzelne konnte und musste erzogen werden, ob er wollte oder nicht...
Aber dieser publik gewordene Fall verdeutlicht weniger den Alltag der Oberschule in den 50er Jahren als dies "kleinere" Ereignisse tun. In der Nacht vom 22. zum 23.12.1953 beispielsweise klingelten Schüler wiederholt bei einer jungen Lehrerin, übrigens der ersten fest angestellten weiblichen Lehrkraft an der Oberschule. Dies führte zu "hochnotpeinlichen" Ermittlungen seitens der Schulleitung. In seinem Bericht vom 27.12. bewertete der Direktor diesen Vorfall als "tatsächliche Sabotage", da auf diese Weise die Kollegin aus Werdau vertrieben und der Russischunterricht (Es handelte sich um die Russischlehrerin.) sabotiert werden sollte. Jugendliches Renommiergebaren wurde zu hochpolitischem Handeln stilisiert.
Die Sabotagehysterie der Zeit, mit der man letztlich fast alle Mängel des DDR-Systems zu erklären glaubte, trug auch weitere Blüten. So wurde die Hausmeistereinstellung 1951 u.a. damit begründet, dieser müsse ständige Kontrollen im Schulgebäude vornehmen. Im Treppenhaus sollten zusätzliche Kerzen und Petroleumlampen aufgestellt werden, da sonst "Sabotageakte jeder Art" leicht möglich seien. Sogar die Volkspolizei wurde vom Schulleiter zu häufigen Streifengängen im Gebiet der Oberschule aufgefordert. Sicher gab es für westliche Geheimdienste und "Diversantengruppen" kein wichtigeres Objekt als die im Zentrum der Weltpolitik liegende Werdauer Oberschule...
Dass man seitens der Schulleitung dabei leicht etwas über das Ziel hinausschoss, wird daran deutlich, dass der Schulleiter am16.02.1952 die Zulassung eines Schülers zur Reifeprüfung in Frage stellte, weil der eine Russischarbeit nicht mitgeschrieben hatte, statt dessen aber aufschrieb: "Die 5 war so und so sicher, deshalb habe ich die Dreiviertelstunde dazu verwandt, über die Zwecklosigkeit eines 4-jährigen Russischunterrichts nachzudenken." Selbst der Schulrat mochte sich dieser Sicht nicht anschließen und allein aus diesem Grunde eine Relegierung aussprechen.
Letzteres gab es in der Folge nur noch vereinzelt, so z.B. im gleichen Jahr am Beispiel des Schülers Rothe wegen offener Kritik am FDJ-Zentralorgan und angeblicher "Gruppenbildung" gegen die FDJ. Der Hintergrund für letzteren Vorwurf war, dass er einer Mitschülerin geraten hatte sich aus politischen Gründen vor einem anderen Mitschüler in Acht zu nehmen. Das alleine galt schon als staatsfeindliche Gruppenbildung.
Ein ähnlicher "Fall" ereignete sich 1958. Als Schüler einer 10. Klasse vom Kleinkalibergewehrschießen im Rahmen der inzwischen eingeführten GST (Gesellschaft für Sport und Technik) - Ausbildung zurückkommen, bemerkt einer, locker auf einer Bank im Klassenzimmer sitzend: "Man reiche mir ein Gewehr, ich will die Bilder durchlöchern." Mit "Bildern" meinte er die an der Wand angebrachten Porträts, darunter das von Walter Ulbricht, dem damaligen Ersten Sekretär der SED. Diese Äußerung wird ihm zum Verhängnis. Verschärfend entstellt ("Wenn ich jetzt Munition hätte, würde ich den abknallen.") wird sie weiter getragen und führt zum Ausschluss von allen Oberschulen der DDR. Symptomatisch dabei, dass entlastende Stellungnahmen der Mitschüler als Zeugen des Vorfalles sämtlich ignoriert, die einzige belastende Aussage jedoch zur Grundlage der Relegierung gemacht wurde. Entlarvend eine Bemerkung des Kreisschulrates auf den Einwurf, sich allein auf die Behauptung eines Anwesenden gestützt zu haben: "Welche Zeugen wir vernehmen, beschließt der Pädagogische Rat." Anzumerken ist, dass der betreffende Schüler Peter Windisch war, der Sohn eines Werdauer Fleischermeisters, welcher als Gewerbetreibender SED-Funktionären ein Dorn im Auge und auf Grund denunziatorischer Anschuldigungen zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. Darüber hinaus waren Maßregelungen von Schülern wegen Rias-Hörens oder Westkontakten an der Tagesordnung.
Die politische Ausrichtung der Schule, die insbesondere nach der 2. Parteikonferenz der SED 1952 mit der Orientierung auf die "Schaffung der Grundlagen des Sozialismus" forciert wurde, zeigte sich u.a. daran, dass im "Kampfplan" der Schule das Schuljahr 1952/53 als "erstes sozialistisches Schuljahr" bezeichnet wurde. Dabei nahm man natürlich zunächst vor allem die Lehrer ins Visier. Dass es dabei zu offener Repression kam, Lehrer entlassen wurden oder in den Westen gingen, so geschehen z.B. im Zusammenhang mit dem bereits erwähnten Oberschülerprozess oder im gleichen Jahr bei der fristlosen Entlassung des Chemielehrers wegen Unstimmigkeiten in seinem Fragebogen, ist vor allem auf Grund der präventiven Kaderpolitik eher die Ausnahme.
Alltäglich aber war die permanente Kontrolle und (politische) Überwachung, u.a. durch ständige Rechenschaftslegung und eine extensive Hospitationstätigkeit. So wurde in den dabei entstandenen Protokollen des Direktors aus dem Schuljahr 1952/53 u.a. beanstandet, dass in Klasse 11 bei der Behandlung des Nibelungenliedes die Gegenüberstellung der Vasallenpflicht mit dem demokratischen Patriotismus fehle oder dass es bei der Besprechung von Schostakowitsch im Musikunterricht versäumt wurde, auf die Ursachen für die fortschrittliche Tätigkeit der Sowjetkünstler einzugehen. Über eine Lateinstunde in Klasse 12 wird dann ausgesagt, dass "demokratische Inhalte" im Lehrstoff nicht enthalten seien ( welch Wunder!), jedoch wäre die Körperhaltung der Schüler nicht immer einwandfrei gewesen. "Hier hätten Hinweise erfolgen können, dass der sozialistische Staat gesunde Körper, demzufolge auch eine anständige Körperhaltung, verlangt." Also, der gesunde Körper als Ausdruck des Klassenbewusstseins! Wie war das doch gleich mit derartigem Vokabular in der NS-Zeit...?
Andererseits bedauerte der Schulleiter am 8. Juli 1953, also drei Wochen nach dem auch für Werdau nicht unwichtigen 17. Juni, dass es in Gegenwartskunde zu keinem wissenschaftlichen Meinungsstreit käme, da "wir die Meinung unserer Schüler zensieren".
Derartige Überlegungen hatten aber wohl keine praktischen Konsequenzen. Im Gegenteil, sowohl im Unterricht als auch in außerunterrichtlicher Arbeit wurde die geistige Gleichschaltung im Sinne der SED-Doktrin forciert. Für die 50er Jahre war dies zunächst eng gekoppelt an den Namen Stalin. In seinem Referat anlässlich der Feiern des Jahrestages der Oktoberrevolution 1952 äußerte der 1. Sekretär der FDJ: "Mein Glück besteht darin: Mit Millionen junger Menschen unter der Führung Stalins für den Frieden der Welt zu kämpfen. Mein schönstes Erlebnis war der Aufenthalt im Land des Sozialismus, in der Sowjetunion, und der schönste Augenblick war der 1. Mai 1952, als ich auf dem Roten Platz in Moskau Genossen Stalin sah." Ein Blick auf Stalin als höchster Ausdruck individuellen Glücks! Vielleicht wollte man ja dann auch mit den Stalinbildern, ja sogar Stalingedenkecken, im Schulgebäude lediglich die Schüler glücklich machen. Dann war es sicher ein ebensolches Glücksgefühl, an bestimmten politischen Gedenktagen nach Hörensagen von Zeitgenossen neben Stalinbild oder Stalinbüste mit Luftgewehr "Ehrenwache" zu stehen. Heiligenverehrung a' la DDR!
Zum Stalingeburtstag wurden jährlich Prämien bis zu 50 Mark an Schüler vergeben. Auf den dabei überreichten Urkunden wird vom "Führer der Weltfriedensfront Generalissimus J. W. Stalin" gesprochen. Bereits das Vokabular ist so friedlich, wie man es eben in der Zeit des Kalten Krieges erwarten konnte. Erwartet wurde von den Schülern über den Unterricht hinaus ein besonderes politisches Engagement. Seit 1947 existierte an der Schule die erste FDJ-Schulgruppe des Kreises. Jeder Schüler sollte laut FDJ-Arbeitsplan 1953/54 pro Woche 3 Stunden gesellschaftliche Arbeit im Rahmen verschiedener Organisationen leisten - und wurde auch danach beurteilt. Klargestellt werden muss jedoch, dass eine Reihe dieser Aktivitäten durchaus unabhängig von aufoktroyierter Ideologie bestanden und den Jugendlichen einfach Freude bereiteten. Erwähnt sei hier nur die Laienspielgruppe, die schon 1946 mit Aufführungen von Kleists "Der zerbrochene Krug" oder Goldonis "Diener zweier Herren" hervortrat und bis Anfang der 50er Jahre auf sich aufmerksam machte. Auch war es sicher kein politischer Zwang, wenn Schüler ab 1952 in der Außenstelle Schlossstraße 1, wo zeitweilig zwei Klassenzimmer untergebracht waren, begeistert (und laut) musizierten, so dass sich Bewohner über "durch Instrumente verursachten, furchtbaren Lärm" beschwerten. Gerade organisierte Tanzveranstaltungen, zunächst in der Aula der Schule, später im Jugendclubhaus auf dem Pleissenberg, spielten im Rahmen der FDJ-Arbeit eine herausragende Rolle. Sie wurden oft nur durch eine davor abgehaltene FDJ-Versammlung als gesellschaftspolitisch relevante Tätigkeit kaschiert.
Mehr als Weisung (und damit als Zwang) aufgefasst worden sein dürfte hingegen der Aufruf der Schulaufsicht des Kreises Zwickauer Land vom 18. 12. 1951, jede Klasse solle Geschenk-Päckchen an westliche Schulen senden, als Hilfe für Kinder arbeitsloser Eltern, um "den wirtschaftlichen Aufstieg in der DDR und die stetige Erhöhung unseres Lebensstandards" aufzuzeigen. Päckchen als ideologische Propagandamittel! Spätestens seit der Berlin-Blockade 1948/49 waren Lebensmittel Objekte des Kalten Krieges; zumindest seit 1950 stützte das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen diesbezüglichen "privaten" West-Ost-Transfer, z. T. flossen sogar Marshallplan-Gelder. (Das Gesamtdeutsche Institut in Westberlin bezuschusste noch bis 1990 derartige Päckchensendungen in den "notleidenden" Osten - ganz abgesehen von der steuerlichen Absetzbarkeit!) Wenn der Osten also schon früh darauf reagierte, dann wohl unter dem Motto: Vom Westen lernen heißt (kaufen und) schicken lernen!

Werdauer Bürgerschule etwa 1903

Bis in die 80er Jahre hinein problematisch war, dass die Oberschule sich als Kaderschmiede verstand und die Auswahl der Schüler keineswegs nur nach dem Leistungsprinzip vorgenommen wurde. Positiv war auf der einen Seite die Beseitigung althergebrachter Bildungsprivilegien und die besondere Förderung von Arbeiter- und Bauernfakultäten (als unmittelbare Vorstufe zur Vorbereitung auf ein Studium) bis hin zum Studium selbst. Der Schulleiter der Oberschule beklagte aber in der Rechenschaftslegung vom 25. 11. 1954 die Tendenz der Grundschule, Arbeiterkinder um jeden Preis auf die Oberschule zu schicken und dabei dem Klassenlehrer ein Soll zu stellen, was dazu führe, dass Schüler mit einem Durchschnitt von "Drei" auf die Oberschule kämen und den Anforderungen nicht gewachsen wären.
Negativ wirkte sich hingegen die neue politisch-soziale Auslese aus. So wurde prinzipiell politisches Wohlverhalten honoriert, jede oppositionelle Tendenz oder (vorwiegend religiös motivierte) Verweigerungshaltung mit Ausgrenzung beantwortet. Gerade in den 50er Jahren wurde dies stark restriktiv gehandhabt. So wurde beispielsweise Georg Meusel, dem Sohn eines von den Nazis dienstentlassenen Pfarrers der Bekennenden Kirche, 1956 ebenso der Zugang zur Oberschule verweigert wie 1960 der Tochter des Ruppertsgrüner Pfarrers Christa-Maria Lenk. In beiden Fällen belegen durchgängig gute bis sehr gute Noten, dass es sich um rein politisch motivierte Entscheidungen handelte. So heißt es in der Beurteilung der Letzteren als Schlusssatz: "Da Christa-Maria sehr stark vom Elternhaus beeinflusst wird, besteht bei ihr nicht die Gewähr, dass sie sich später einmal aktiv für unseren sozialistischen Staat einsetzt." Bei der Gesamtzahl der Bewerber für die Oberschule sicher Einzelbeispiele, aber Einzelfälle, die begangenes Unrecht darstellen und den Werdegang junger Menschen wenn nicht zerstörten, so doch entscheidend behinderten.
Die Umbenennung der Oberschule in "Erweiterte Oberschule (EOS)" im Jahre 1960 fällt zusammen mit dem Abschluss einer Reihe sozial-ökonomischer Veränderungen in der DDR und damit verbunden einer weiteren Profilierung des Bildungssystems. Spätestens seit dem 5. Pädagogischen Kongress 1956 gab es Vorstellungen der weiteren organisatorischen Umprofilierung der Schulbildung. 1959 kam das neue Lehrplanwerk für die zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule, auf der aufbauend, allerdings nach wie vor einsetzend mit Klasse 9, die erweiterte Oberschule folgte und zum Abitur führte. 1965 wurde all das im Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem fixiert; der 10-Klassen-Abschluss war jetzt die Regel, die EOS erfasste immer stärker bewusst ausgewählte künftige Nachwuchskader.
Diese wurden in fortwährend stärkerem Maße politisch indoktriniert. Stand in den 50er Jahren noch der größte Teil der Werdauer Oberschüler, zumeist aus mittelständischen Kreisen kommend, der DDR weitgehend ablehnend gegenüber, änderte sich in den 60er Jahren das Bild. Neben der gezielt zugunsten der sozialen Unterschichten veränderten Zusammensetzung der Schülerschaft und dem Auftreten einer neuen Generation Jugendlicher, die, das Tun ihrer Vätergeneration im Nationalsozialismus kritischer hinterfragend, den antifaschistischen Bestrebungen des Staates wohlwollend gegenüberstand, dürfte hierfür vor allem die relative Stabilisierung der DDR nach dem Mauerbau 1961 die Ursache sein. Man konnte auch als Akademiker nicht mehr in den "goldenen Westen" und richtete sich auf Studium und Berufsleben im Osten ein.
Dabei verstand es die DDR-Bildungspolitik einerseits eine enge Verbindung von theoretischer Bildung und praktischer Tätigkeit herzustellen und andererseits gesicherte soziale und berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Auch an der EOS Werdau lohnte es sich, ein gutes oder sehr gutes Abitur abzulegen, Studium und Arbeitsplatz waren garantiert. Auf Letzteren wurden die Schüler in doppelter Hinsicht vorbereitet. Bis zum Abiturjahrgang 1970 absolvierte jeder neben dem Unterricht eine direkte Berufsausbildung, verfügte also als Absolvent der Schule neben dem Reifezeugnis auch über einen Facharbeiterabschluss. Über den Patenbetrieb, seit 1949 der VEB Maßindustrie Werdau, wurden darüber hinaus enge Kontakte zur industriellen Produktion selbst hergestellt. Seit 1967/68 verzichtete man auf die direkte Berufsausbildung. Die jetzt eingeführten Vorbereitungsklassen (Klassenstufen 9 und 10) wurden deutlicher von der eigentlichen Oberstufe (Klassen 11 und 12) abgetrennt. In der 10. Klasse unterzogen sich die Schüler jetzt auch der an den polytechnischen Oberschulen (allgemein übliche 10-Klassen-Schulen, POS) durchgeführten Abschlussprüfung und konnten mit der "mittleren Reife" ins Berufsleben überwechseln. Andererseits konnten Schüler mit entsprechenden Leistungen nach Klasse 10 der POS noch in Klasse 11 der EOS eintreten. Hier wurden bereits Veränderungen angebahnt, die dann 1979/80 zur Reduzierung der EOS auf die Klassenstufen 11 und 12 führten.
Mit der Schaffung der Vorbereitungsklassen 1967 war auch die Übernahme des seit 1958 an der POS eingeführten "Unterrichtstages in der Produktion" bzw. der Fächer "Produktive Arbeit" und "Einführung in die sozialistische Produktion" sowie "Technisches Zeichnen" verbunden. In den Klassenstufen 11 und 12 wurde dieser Unterrichtsteil in die "Rahmenprogramme für wissenschaftlich-praktische Arbeit" überführt. Alle derartigen Ausbildungen wurden in Betrieben des Territoriums, insbesondere in der Maßindustrie, im VEB "Wälzlager Fraureuth", dem Kfz-Werk "Ernst Grube" und dem VEB "Tuchfabrik Werdau", durchgeführt. In kleineren Gruppen von meist 6-8 Schülern wurden die Teilnehmer in Weiterführung der primär praktischen Arbeit in den Klassen 9 und 10 jetzt auch mit arbeitsorganisatorischen Problemen und mit ökonomischen Aspekten der Betriebe konfrontiert.
Spätestens seit 1970 wurden in den Sommerferien sogenannte "Lager für Erholung und Arbeit" durchgeführt. 14 Tage lang standen für die Jugendlichen, insbesondere der Klassen 11, täglich 6 Stunden praktische Arbeit sowie darüber hinaus organisierte Freizeitbeschäftigungen auf dem Programm. 1970 säuberten sie zum Beispiel Zuflüsse der Trinkwassertalsperre Cranzahl und schachteten Kabelgräben am Fichtelberg, unternahmen Busausflüge ins Erzgebirge und besuchten abends Tanz- oder Kinoveranstaltungen. All das tangierte nur am Rande ideologische Fragen, obwohl natürlich die "enge Verbindung mit der Arbeiterklasse" als erziehungstheoretisches Ziel immer im Hintergrund stand. Für Schüler war neben dem Gemeinschaftserlebnis die Tatsache interessant, dass sie bei kostenloser Unterkunft und Verpflegung für ihre Arbeit gut bezahlt wurden. (Da keine Steuern und Sozialabgaben auf das Entgelt erhoben wurden, entsprach der Stundenlohn etwa dem eines Facharbeiters.) Durchaus im positiven Sinne kann hier von aktiver Erholung gesprochen werden, die noch dazu den Effekt hatte, auf das spätere Arbeitsleben vorzubereiten und dabei die angehende Intelligenz enger an die körperliche Arbeit band als dies zum Beispiel durch elitäre Tendenzen der weiterführenden Bildung vorher und nachher der Fall war und ist.
Dass die EOS aber in erster Linie eine sozialistische Weltanschauung zu vertreten und künftige Kader eines "Arbeiter- und Bauernstaates" zu erziehen hatte, wurde im Schulalltag immer wieder deutlich. Die Lehrpläne, insbesondere in Staatsbürgerkunde und Geschichte, orientierten auf die führende Rolle der SED, Parteitagsbeschlüsse wurden wie Bibelstellen zitiert und jeder Ansatz kritischen Infragestellens vorgegebener Dogmen inquisitorisch verfolgt. Dabei standen oft formale Äußerlichkeiten im Vordergrund, deren Bedeutung wohl nur erfassen kann, wer den Sitz der SED-Kreisleitung für die Burg der heiligen Gralsritter hielt. Jeans galten den "Hütern der reinen Lehre" als Ausdruck imperialistischer Grundhaltung und männliche Träger langer Haare wurden in den 60er Jahren zum Frisör geschickt. Das geschah in Werdau vereinzelt sogar in der Form, dass ein speziell dafür bekannter Lehrer den Betroffenen aus eigener Tasche das erforderliche Geld in die Hand drückte. (Was für eine Möglichkeit wäre das heute, das Taschengeld aufzubessern!)
Bedeutsamer waren aber sicherlich Reaktionen auf politische Ereignisse, wie z.B. den Einmarsch der Warschauer Paktstaaten 1968 in die CSSR. Im Zuge der üblichen verbalen Zustimmungserklärungen zu den Beschlüssen der Partei- und Staatsführung wurden in den einzelnen Klassen unmittelbar nach Schuljahresbeginn Anfang September 1968 Stellungnahmen gefordert. Als die Diskussion darüber in einer 10. Klasse keineswegs das gewünschte Ergebnis brachte und der Einmarsch mehrheitlich abgelehnt wurde, hatte das für die Betreffenden aber -im Gegensatz zu den 50er Jahren- keine weiteren Folgen. Auch eine Ulbricht-Parodie, die ein Schüler 1969 bei einer Faschingsveranstaltung im Pleißental vortrug, führte nicht zu dessen Schulausschluss, allerdings begründete man den Vorfall mit psychischen Problemen des Betreffenden.
Als 1973 einige Schüler eines Morgens bei noch vorhandener Dunkelheit Neonröhren im Klassenraum locker gedreht hatten und so den pünktlichen Unterrichtsbeginn verhinderten, war auch hier seitens des Direktors wieder von "Sabotage" die Rede. Die Bestrafung der "Missetäter" beschränkte sich aber darauf, sie nicht zu den im gleichen Jahr stattfindenden Weltfestspielen fahren zu lassen. Neben verbalen Dogmatismus trat allmählich ein rationaler Pragmatismus, der Überreaktionen begrenzte.
Von Liberalität und Toleranz blieb die "Alexander-von-Humboldt-Schule" aber stets weit entfernt. Besonders deutlich zeigte sich das in der Haltung zum militärischen bzw. vormilitärischen Bereich. Parallel zu den Remilitarisierungsschritten in der BRD war mit dem Beitritt der DDR zum Warschauer Vertrag 1955 und dem damit verbundenen Aufbau der Nationalen Volksarmee endgültig die Barriere für eine Militarisierung gefallen. Zunächst beschränkte sich diese auf die bis 30-jährigen Lehrer, die für einen 2-bzw. 3-jährigen Dienst bei den bewaffneten Organen agitiert wurden. In immer stärkerem Maße wurde danach die Werbung für den Offiziersnachwuchs unter den männlichen Abiturienten zu einem der Hauptziele politischer Erziehung. Kontakte zu Offiziershochschulen, wehrpolitische Foren, Kleinkaliber-Übungsschießen im Rahmen der GST und Wettbewerbe in militärischer Körperertüchtigung gehörten zum Schulalltag. Ab 1.9.1978 wurde dann offiziell Wehrunterricht eingeführt, je 4 Doppelstunden sowie ein Wehrlager bzw. für die Mädchen ein Lager für Zivilverteidigung wurden für jeden Jugendlichen obligatorisch. Penetranter war jedoch die schleichende Militarisierung des Schulalltags. Militärpolitische Aspekte drangen in den täglichen Fachunterricht ein und formten den äußeren Ablauf. Regelmäßig fanden Appelle statt. Über den zur Eröffnung des Schuljahres 1970/71 durchgeführten schrieb der Kreisschulrat in seinem Inspektionsbericht: "Der Appell am 1.9. war vom Gesamteindruck her gut vorbereitet und durchgeführt (ordentliche militärische Ordnung, Schüler im Blauhemd, diszipliniertes Bewegen)". Im Bericht über die Kontrolle der Reifeprüfung 1976/77 durch die Schulinspektion heißt es: "Fragen der Landesverteidigung und der Zivilverteidigung waren integrierter Bestandteil in den Prüfungen der Fächer Deutsch, Staatsbürgerkunde und Biologie", aber auch: "Das Bekenntnis der Schüler zu ihrem Staat wurde nicht überall sichtbar."
Die Qualität der Arbeit einer Schule wurde in starkem Maße daran gemessen, wieviele ihrer Absolventen später einen militärischen Beruf ergriffen und in welchem Umfange staatsbejahende Lippenbekenntnisse abgefordert wurden. Die Lehrer selbst wurden seit den 70er Jahren, soweit sie einen Wehrdienst absolviert hatten, regelmäßig zu Reservistentreffen im Kreismaßstab herangezogen. Ihre Disziplinierung war ein Wesensmerkmal des DDR-Schulsystems. Wer es an politischem Engagement fehlen ließ, wurde zumindest in den halbjährigen schriftlichen Rechenschaftslegungen im Rahmen des pädagogischen Rates der Schule, von dem ein Durchschlag an die Abteilung Volksbildung beim Rat des Kreises ging, negativ genannt. Dass dies z. T. nicht ohne Folgen blieb, zeigte sich 1979/80, als durch die Reduzierung der EOS auf die Klassenstufen 11 und 12 und die damit verbundene Auflösung der Crimmitschauer EOS ein Lehrerüberhang bestand. Die ab 1981 allein im Kreis weiter bestehende Werdauer EOS verließen genau die Lehrer, denen im Arbeitsplan für das Schuljahr 1976/77 "dringliche Veränderungen" im Hinblick auf ihre gesellschaftliche Tätigkeit angemahnt worden waren- welch ein Zufall!
Neben der Disziplinierung der Lehrer wurden auch die Elternvertretungen zunehmend zu Instrumenten der Einflussnahme staatstragender Gedanken. Von den 21 Mitgliedern des Elternbeirates waren 1978/79 z. B. 12 Mitglied der SED und 2 der Demokratischen Bauernpartei Deutschland, 7 waren parteilos. So war jederzeit sichergestellt, dass auch die Elternvertretung im "richtigen Maße funktionierte" und 1979 mit der "Theodor- Neubauer- Medaille" in Bronze ausgezeichnet wurde.
So blieb die EOS Werdau bis zu den Ereignissen der Wende 1989 ein Hort "real- sozialistischer Kaderformung". Für Losungen wie "Schwerter zu Pflugscharen" oder westliche Symbolik jeder Art war an ihr kein Platz. In den 80er Jahren wurde so kampagnenartig gegen "imperialistische" Helme (Motorradhelme mit westlichen Werbeaufdrucken) und ähnliche Tragetaschen "gekämpft". Aber auch der Slogan: "Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen!", schien, obwohl man auf die Arbeit der DSF (Gesellschaft für Deutsch- Sowjetische Freundschaft) ansonsten sehr viel Wert gelegt hatte, nicht die Losung der Werdauer zu sein, seit 1985 Gorbatschow die "Morgenröte im Osten" verkörperte.
Auch 35 Jahre nach dem Tode des Generalissimus galt an der Werdauer EOS: "Freundschaft, Genosse Stalin!"

Quelle:
Text: Werner Seifert , "Chronik des Gymnasiums ''Alexander von Humboldt'' Werdau", Frühjahr 2000
Historische Bilder: Postkartensammlung R. Gebhard, Fraureuth

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